#CoronaKiel Städtisches Krankenhaus Kiel betroffen

Aus dem Bekanntenkreis erfuhr ich am Donnerstag, dass auf der Geriatrische Station im Städtischen Krankenhaus zumindest ein Patient angesteckt wurde. Besuch als Quelle kann ja derzeit ausgeschlossen werden. Ich machte dies dann via Twitter öffentlich:

und leitete es später auch an NDR und KN weiter. Der NDR berichtet nur kurz:

Corona-Fälle in der Urologie im Kieler Krankenhaus

Zwei ärztliche Mitarbeiter der Urologie im Städtischen Krankenhaus Kiel sind positiv auf Corona getestet worden. Weitere Tests ergaben, dass sich kein anderer Mitarbeiter angesteckt habe, teilte das Krankenhaus mit. Patienten seien nicht betroffen, da es keinen Kontakt oder nur sehr kurze Kontaktzeiten gegeben habe. Die Klinik für Urologie wird vorsorglich bis auf Weiteres geschlossen. Die Notfallversorgung übernimmt das UKSH. | NDR Schleswig-Holstein 17.04.2020 15:00

Die Kieler Nachrichten berichten dann heute:

Im Städtischen Krankenhaus Kiel (SKK) sind zwei Ärzte mit dem Coronavirus infiziert. Die Urologische Station ist deshalb am Freitag vorsorglich und bis auf Weiteres geschlossen worden, wie das SKK bestätigte. Urologische Notfälle übernimmt übergangsweise das Universitätsklinikum in Kiel. …

Das Patienten angesteckt wurden, davon kein Wort und es wir auch nur die Urologie und nicht die Geriatrie erwähnt. Das heißt es gibt bereits mehr Fälle und potentiell sind mindestens zwei Stationen betroffen.

Ich bin der Meinung, dass es derzeit keine Geheimniskrämerei geben darf: Jeder Fall muss öffentlich gemacht werden. Öffentlichkeit ist Teil der Hygienemaßnahmen und dient auch dem Schutz des Pflegepersonals zB. in Pflegeheimen und Krankenhäusern. Ob nun seitens des Krankenhauses oder der Zeitungen: Das Ganze klein zu halten nützt Niemanden. Der Verdacht liegt nahe, dass das Virus sich in den Kieler Krankenhäuser verbreiten kann. Ich weiß von der Uniklinik, dass es keine neuen Protokolle zur Sicherheit gegeben hat, außer Gegenmaßnahmen zu Diebstählen von Materialien.

Wir wissen heute, dass insbesondere in Norditalien die fatalste Entwicklung war, dass sich die Viren in den Krankenhäusern verbreiteten und das Problem so aussieht:

  1. Personal ist anfälliger für Infektionen, da sie mit VIELEN Patient:innen zu tun haben
  2. Sie können es, wenn sie mehrere Patient:innen hintereinander betreuen weiter verbreiten.

Auch das Tragen von Mundschutz ist für Pflegepersonal auf vielen Stationen der Uniklinik noch nicht Pflicht, sondern freiwillig. Wie es bei Städtischen ist, weiß ich nicht. Materialien wie Mundschutz werden seit März und bis dato an der Uniklinik noch rationiert wegen Mangel.

Was ich aber als wichtig ansehe ist, dass man folgendes etabliert:

  • Zugangsschleusen, die es den Mitarbeitenden ermöglichen auf Station und von Station zu gehen, ohne mit der Kleidung etwas reinzuschleppen oder rauszuschleppen
  • Mindestens zwei Stunden mehr Arbeitszeit für das Personal, damit sie beim raus- und reingehen entsprechend sorgfältig sein können
  • Das Personal muss dringen erhöht werden und nach Möglichkeit der Kontakt pro Pflegekraft auf wenige Patient:innen minimiert. Es muss auch jeder Kontakt dokumentiert werden für eine Nachverfolgung. In wie weit das mit der bisherigen Dokumentationspflicht erfüllt ist, kann ich nicht beurteilen
  • Jede Infektion muss natürlich umgehend öffentlich gemacht werden, damit die Öffentlichkeit einen Überblick hat und reagieren kann. Ein Krankenhaus sollte das nicht alleine entscheiden. Daher sind auch Medien heutzutage so wichtig

Desweiteren wurde bekannt:

Besuche in Pflegeheimen unter strengen Vorschriften
Auch Besuche in Pflege- und Altenheimen sollen möglich gemacht werden, um Einsamkeit und Isolation zu verhindern. Dabei seien jedoch strengste Hygiene- und Sicherheitsvorkehrungen Pflicht, betonte Günther. Die Landesregierung wolle dafür nun in enger Abstimmung mit den Einrichtungen Pflegekonzepte erarbeiten.

Quelle: der-reporter.de

Ich habe nicht das Gefühl, dass hier im Norden wirklich der Notstand angekommen ist, wenn ich das lese. Der Fokus scheint darauf zu liegen, dass man Maßnahmen erlässt, die möglichst alle gleichermaßen betreffen und man auch kommuniziert, dass wenn sie alle daran halten, die Krise auch bald vorbei ist.

Was Ausgangssperren angeht, so sind Deutschlands südliche Nachbarn Italien, Spanien und Frankreich immer schon radikaler und früher dran gewesen. Wenn es also Ausgangssperren/Kontaktsperren effektiv wären, hätten diese ja weniger Infizierte und Tote haben müssen, als wir.

Es ist offenbar nicht angekommen, dass es vor allem darum geht, die Punkte zu schützen, die besonders kritisch sind: Auch in Norditalien waren es die Krankenhäuser an denen das System zusammenbrach. Und wir gehen da sehenden Auges gerade genau in die gleiche Richtung. Nicht langsam ansteigende Zahlen oder zu viele Kontakte von JEDEM sind das Problem, sondern die Situation, dass gerade Krankenhäuser zu Virenschleudern werden. D.h. alle, die im Krankenhaus stationiert sind oder dort arbeiten sind von einer Infektion bedroht! Schnell kann es dort zu einer Infektionen aller Pflegekräfte und Patient:innen einer Station kommen. Da helfen dann auch keine Intensivbetten mehr: Die Krankenhäuser werden arbeitsunfähig und sehr viele Menschen werden in kurzer Zeit infiziert und sterben.

Es muss eigentlich zu 100% ausgeschlossen werden, dass da COVID19 ein- oder ausgeht. Wenn es trotz aller Bemühungen passiert, dann ist das so, aber man muss ALLES dafür tun, dass es nicht passiert. Mein Eindruck aus Berichten von Mitarbeiter:innen und Patient:innen ist aber, dass es kaum Sicherheitsmaßnahmen gibt. Eher business as usual. Und das eben unter dem Eindruck jahrzehntelanger Sparpolitik. Da werden viele mir sagen: Da geht nicht mehr Aufwand! Mag sein, aber dann steht der Tod vor der Tür. Entweder wir strengen uns JETZT an, das Unmögliche zu schaffen, oder wir lassen es.

Anstatt alle Menschen im Land zu drangsalieren müssen wir vor allem alle Einrichtungen im Gesundheits- und Pflegesektor mit höchsten Aufwand schätzen. Und es muss auch klar sein, dass es immer genug Material gibt. Und wir brauchen keine Diskussionen um Lockerungen für Besuche, außer wir wollen die Alten umbringen. Wir haben es schon jetzt nicht geschafft, Infektionen einzugrenzen und viele der Todesfälle im Land kommen bereits aus Pflegeheimen. Hier sollten wir die Regeln eher verschärfen als lockern. Es geht hier nicht darum ein hübsches Gemeinschaftsgefühl zu erzeugen, weil wir alle gleichzeitig von den Maßnahmen betroffen sind, sondern effektiv dort zu schützen, wo Schutz zwingend ist, um die Ausbreitung zu minimieren.

Der Staat und die Medien kommen da ihrem Auftrag derzeit nur sehr sehr schlecht nach! Stattdessen vermeldet man über 4.000 Tote in Deutschland als tollen Erfolg! No thank you!

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