Aber wie sollen die Autos in die Stadt kommen? Perspektivwechsel! #SüdspangeStoppen #KielAutofrei #AutoKorrektur

B76/ Theodor-Heuss-Ring Foto. Thilo Pfennig

Aus aktuellem Anlass, der Blockade der B404 von Aktivist*innen, möchte ich noch ein mal einen weitere Blick auf die Problematik werfen.

Perspektivwechsel!

Durch meine intensivere Beschäftigung mit dem Thema in unterschiedlichen Zusammenhängen ist mir immer wieder ein Muster aufgefallen: Ob Politiker:innen oder Autofahrer:innen, sie haben alle ein großes Problem mit Forderungen, das Auto zurückzudrängen. Und dann bekommt man Fragen/Aussagen wie diese:

  • Und sollen die ganzen Autos dann alle hin?
  • Aber hier sollen doch gerade, die bestehenden Straßen entlastet werden!
  • Man kann keine Spur sperren, das wäre gegenüber den Autofahrer:innen unverhältnismäßig
  • Man kann ruhig Absauganlagen auf Radwege stellen, die Fahrradfahrer:innen können doch einfach dran vorbei fahren, es ist genug Platz für Rad und Fuß!
  • Irgend wie müssen die Leute doch an ihr Ziel kommen!
  • Es gibt halt immer mehr Verkehr, also brauchen wir auch mehr Straßen!
  • Um Einzukaufen braucht man ein Auto!
  • Es gibt auch Leute, die Arbeit haben und mit dem Auto zur Arbeit fahren müssen.
  • Der ÖPNV ist noch zu teuer
  • Der ÖPNV ist noch zu schlecht ausgebaut
  • Die Leute am Theodor-Heuss-Ring können doch woanders wohnen!
  • Wir können auch die Häuser abreissen oder zumauern, dann fühlt sich niemand mehr gestört
  • Das mit den Stickoxiden und Feinstäuben wird übertrieben, das ist gar nicht so schädlich
  • Wenn in Kiel weniger Leute Auto fahren, retten wir damit nicht das Weltklima, Autoverkehr macht nur wenige Prozent vom CO2 aus!
  • Sollen die doch in China weniger Auto fahren!
  • Ich will aber meinen alten Diesel bis zum Ende ausfahren!
  • Beim Ziegelteich können wir nichts machen, die Situation bleibt jetzt so sie nächsten Jahre!
  • Bald kommen aber die Elektroautos
  • Und vieles mehr ….

Ich gehe nicht auf alle dieser Fragen ein. Das kann man auch tun, aber den Aussagen gemein ist eine „Windschutzscheiben-Perpektive„, die sich auch so beschreiben lässt:

  • Niemand fährt mit dem Bus oder Rad (zur Arbeit)
  • jede Fahrt ist notwendig
  • Eigentlich nur Autoverkehr richtiger Verkehr
  • Wir können zwar Bus, Rad und Fuß einschränken, aber beim Auto geht das nicht!
  • In ferner Zukunft können wir mal was ändern, aber nicht heute und nicht morgen (plus beliebige Begründung warum)
  • Das Auto hat vielleicht ein paar Fehler, aber das liegt entweder an den Fahrer:innen oder an der (Antriebs)technik.

Aufgrund dieser Perspektive werden bestimmte Probleme gar nicht gesehen und das natürliche Ergebnis politischer Prozesse ist eine Fortführung der Autoförderung. Für mich sehr krass war zB als für die Autos gegen die Abgase die Radwege neu gepflastert wurden mit einem Titandioxid-Stein. Da wurde beliebig und ohne Umleitung der Weg für Rad und Fuß gesperrt. Es erfolgte keine Warnung in der KN – es war einfach klar: „Rad ist scheißegal, verpisst euch“ – das war die Message, die die Stadt gesendet hat – und – „Radverkehr und Fußverkehr sind irrelevant und nicht erwähnenswert, ihr geht außen rum, ihr kommt schon klar. Wenn ihr keinen Diesel fahrt, seid ihr selber schuld, denn erst dann kommt der Rote Teppich!“

Perspektivwechsel ist daher dringend notwendig. Das würde bedeuten: Jede Verkehrsart ist gleichwertig, auch bei „Fuß“ – dazu gehören im Grunde auch Rollstuhlfahrer. Es muss auch immer an Barrierefreiheit gedacht werden! Was ist mit Älteren, Kindern, Kranken, Sehbehinderten? Bisher geht man in Kiel trotz aller schönen Worte davon aus, dass die meisten Kieler über ein gutes Einkommen verfügen, gesund sind, mittleren Alters und ein Auto fahren. Dafür wird Politik gemacht und so sehen auch die Baustellen aus!

Ein Perspektivwechsel kann gelernt werden, in dem man zB Spaziergänge macht, auch mal bewusst mit Kindern oder Rollstuhlfahrer:innen oder mit Menschen mit Rollatoren! Und dann mal verschiedene Ziele wählen: Wie komme ich von A nach B? Was fällt mir auf? Haben Rollstühle Schwierigkeiten mit einem Bodenbelag, oder sind Kanten zu hoch, um rüber zu kommen? Können Kinder sich auch orientieren? Kann man sich angenehm auf dem Weg bewegen, oder stinkt es, lärmt es, … ist es beängstigend? Und was macht Angst? Ist es eher die Dunkelheit eines Tunnels oder doch eher die Unübersichtlichkeit des fließenden Verkehrs?

Oder wenn man mal einfach kreuz und quer läuft: Ist die Beweglichkeit eingeschränkt durch parkende Autos? Verlängern sich Wege erheblich dadurch, dass Radwege nur einseitig befahren werden dürfen und man weit über sein Ziel hinaus fahren muss?

Oder auch. Wird einem Rad zB klar eine legale Möglichkeit eröffnet einen Weg zu befahren, oder ist es ausschließlich möglich in einer Grauzone zu fahren, so dass man bei einem Unfall immer Hauptschuldiger wäre? (Dazu fällt mir zB der Bahnhofsvorplatz in Kiel ein!)

Wenn diese insofern empathische Aufgabe gelöst wird, werden viele Probleme sichtbar des heutigen Verkehrs. Und man sieht, welchen Komfort das Auto überall bekommt, während Rad und Fuß vielerorts ausgebremst werden. Oder es gibt Straßen, da gibt es keinen Fußweg ! Im Jahr 2020! Das darf aktuelle Verkehrspolitik, da bewegt sich nichts, auch wenn das im Grunde Beispiele sind, die vollkommen unmöglich sind. Und in Kiel immer noch an der Tagesordnung!

Von daher: Auch eine A21-Anbindung muss nicht sein, weil es bereits unzählige Möglichkeiten für Autos gibt. Niemand muss aussteigen. Vielleicht nicht so schnell, wie es ginge, aber es muss ja auch ausgewogen sein. Natur erhalten, Fußgänger:innen schützen und andere Verkehrsmittel weiterentwickeln. Das Alles geht nur, wenn man auch das Auto nicht immer bevorzugt und alles abholzt, was im Weg steht. Daher Perspektivwechsel jetzt von Politiker:innen und Autofahrer:innen! Geht mal zu Fuß, fahrt mal mit dem Rad und schaut, was es für Probleme gibt! Und lasst euch dabei auf andere Sichtweisen ein!

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