Die Autoprivilegien der Falschparker > Autokorrektur

Foto: Falschparker auf dem Mttelstreifen am Exerzierplatz
Falschparker auf dem Mittelstreifen am Kieler Exerzierplatz (Foto:Thilo Pfennig)

In den letzten Monaten haben konservative Kräfte in CDU, FDP, Unternehmen, Unternehmensverbänden und KN einen Kleinkrieg zur Bewahrung von Autoprivilegien geführt. Eher weniger die Bevölkerung.

Elmschenhagen

Den Höhepunkt der Absurdität stellte der Tweet der Kieler Nachrichten über Elmschenhagen und den Andreas Hofer Platz dar „Und plötzlich stehen da Poller“.

Um es zusammenzufassen: Das Verbot auf dem Radweg zu parken wird dort seit Jahren nicht respektiert. Die Stadt hatte nun Poller aufgestellt, um dies sicher zu verhindern. Aufregung bei den Geschäftsleuten, weil ja dann ihre Kunden nicht mehr dort parken könnten. Was fällt der Stadt auch ein die ganz normalen Regeln durchzusetzen? Hier gehts ja um Unternehmen. Und die erwarten Sonderregeln!

Kiellinie

Nächstes Beispiel: Die Idee einer autofreien Kielinie. Eine Attraktivierung der Kiellinie priorisierten in einer Umfrage des NIT (PDF) von 90% der Kieler:innen. Nun kann man sicher unter „Attraktivierung“ verschiedenes verstehen. Nur ist schon die Frage, was man da machen soll, wenn man die Autos dort nicht in Frage stellt. Doch eine Minderheit an Wutbürger:innen brachte die Pläne zu Fall. Statt schnell eine Verbesserung herbei zu führen, wird wieder alles auf die lange Bank geschoben: Nun heißt es, das erst 2022 über eine autofreie Kiellinie entschieden wird. Auslöser für den Wunsch nach Beschleunigung war, das sollte man nicht vergessen, dass sie ca. März grassierende COVID19-Virus. Doch OB Kämpfer gab wieder einmal der Autofraktion nach und scheute den Konflikt.

Königsweg

Und noch eins: Der umgebaute Königsweg: Zwar können dort alle Autos nach wie vor ihr Ziel erreichen, aber als Veloroute wollte man es für Räder dadurch sicherer machen, dass man das Abbiegend er Autos einschränkte. Einige Gewerbetreibende beschwerten sich und auch hier ging die Stadt auf sie zu und gelobte Besserung.

Als Radfahrer bin ich immer wieder erstaunt, wie einfach es für die Autolobby in der Presse oder der Politik ist, die eigenen Interessen zu vertreten und die bestehenden Privilegien zu schützen. Und darum geht es eigentlich: Es geht nicht unbedingt darum, dass immer die beste Lösung umgesetzt wird! Wir wissen, das Fehler passieren und nicht immer alles optimal läuft. Aber egal, wo wir schauen: Immer noch setzt die Stadt zu 95% Lösungen um, die für Autos gut sind.

Auf der anderen Seite gibt man sich für das Rad meist überhaupt keine Mühe bei bestehenden Baustellen eine Umleitung auszuschildern. Man scheint von uns zu erwarten, dass wir uns schon selber zurecht finden. Selbes gilt natürlich auch für Fußgänger:innen und Menschen mit Behinderungen.

Theodor-Heuss-Ring

Ein gutes Beispiel dafür war und ist die Situation am Theodor-Heuss-Ring, in der man die Baumaßnahmen an den Rad- und Fußwegen nur mäßig gut absperrte und überhaupt keinen Hinweis darauf aufstelle, wie den Rad und Fuß zu ihrem Ziel kommen sollten.

Dazu kein Artikel in der KN, kein O-Ton von Anwohner:innen, die Probleme haben zu ihren Wohnungen zu kommen, oder Radfahrenden, die eine Vollsperrung über Monate hinnehmen musste ohne Alternativrouten!

Foto: Absperrung Alte Lübecker Richtung Lübscher Baum
Alte Lübecker. Rad und Fuß sollen weggehen (s.a. diesen Artikel), Foto: Thilo Pfennig, Lizenz. gemeinfrei

Es muss sich also in erster Linie etwas an der Haltung gegenüber den Privilegien der Autos ändern: Es geht nicht um Verkehrslösungen, sondern, wenn man Forderungen nach Augenhöhe (Anm. CDU) ernst nehmen würde: Es muss erst mal Augenhöhe hergestellt werden. Augenhöhe würde eben gerade bedeuten, dass Autoparkplätze in Frage zu stellen kein Tabu mehr darstellen. Gute Verkehrspolitik bedeuten, nicht in Tabus zu denken!

Und es bedeutet den Versuch zu unternehmen, alle Verkehrsteilnehmer:innen gleich zu behandeln. Das wäre es, was ich unter dem Motto „Autokorrektur“ (Anm. von Katja Diehl/S:he Drives Mobility: T-Shirt) verstehe: Einiges läuft falsch und wir müssen das korrigieren! Der Falschparker muss in Frage gestellt statt toleriert werden. Und Umleitungen für Rollstuhlfahrende müssen zur Norm werden statt Ausnahme zu bleiben! Erst dann haben wir Augenhöhe und eine Autokorrektur erreicht!

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