Corona und die Negierung des Offensichtlichen

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Werden die Alten im Stich gelassen, während der Pandemie? Schon ein mal führten unzählige Infektionen in Alten- und Pflegeheimen zu vielen Todesfällen. Was machte man dann nach der ersten Welle? Man sagte: Das dürfe nie wieder passieren – und zwar nicht die Infektionen, sondern das Pflegeheimbewohner:innen wochenlang keinen Besuch bekommen konnten.

Die Folge dieser „netten“ Strategie unser schlauen Leute: In Berlin gehen mittlerweile die Hälfte aller Coronatote auf Bewohner:innen von Pflegeheime zurück (rbb, 2.12.: „Coronavirus greift in Berliner Pflegeheimen weiter um sich„. In meiner Chronik habe ich ja dokumentiert, dass sich im April besonders Ministerpräsident Daniel Günther sich stark für eine Lockerung der Bedingungen für Pflegeheime eingesetzt hatte. Ab 4. Mai wurde dies dann durchgesetzt.

Man hatte argumentiert, dass es einfach unmenschlich sei, wenn Bewohner:innen gar keinen direkten Kontakt zu Verwandten mehr haben dürften. Und es mag auch sein: Es ist hart und nicht lustig. Aber auch in Schleswig-Holstein geht die Hälfte der Toten zulasten von Alten- und Pflegeheimen.

Vielfach wurden diese Lockerungen aber damals auch schon damals kritisch gesehen und eine Wiederholung der Infektions- und Sterbefälle an diesen Orten befürchtet.

In der Handlungsempfehlung ist zB festgehalten, dass jede Bewohnerin täglich zwei Stunden Besuch bekommen darf. Aus dem Text wird deutlich, dass man der Überzeugung war durch lediglich einige wenige Sicherheitsmaßnahmen den Virus in Heimen eindämmen zu können. Zu wenig bedacht wurde dabei aus meiner Sicht, dass ja zB durch de Mitarbeiter:innen Viren auch schnell von Zimmer zu Zimmer oder von Patientin zu Patientin getragen werden können, sobald ein Zimmer oder eine Patientin infiziert ist.

Die Maßgaben haben sicher einige Infektionen verhindert, aber bei täglichen Besuchen ist es dann logischer weise nur eine Frage der Zeit, bis in einem Pflegeheim ein Ausbruch stattfindet und sich ausbreitet. Sollte es sogar Pflegekräfte geben, die in mehreren Häusern arbeiten, oder auch ambulant, verteilen sich Viren noch besser. Was jetzt passierte konnte bzw. musste man wissen.

Unter dem Strich muss man es daher so hart formulieren, dass die Toten in den Heimen von der Landesregierung und ihre mangelnde Sorgfalt, insbesondere durch die Lockerungen ab Mai, verursacht und begünstigt wurden. Die Entwicklung war absehbar und in gewisser Hinsicht unter diesen Umständen unvermeidbar.

Vermeidbar und nicht alternativlos waren allerdings die Lockerungen. Man muss es sich einfach konkret vorstellen, wie es den Familien zu Weihnachten geht, die jetzt zwar feiern könnten, aber deren Großeltern aufgrund fehlender Beschränkungen bereits verstorben sind! Die können sich jetzt bei Daniel Günther und Heiner Garg und der Landesregierung bedanken.

Hier wurde genau so gepokert wie bei den Schulen. „Es wird schon gut gehen, hoffentlich…“ so scheint da die Devise gewesen zu sein? Oder auch ein „Na die sind doch eh schon alt“? Es mag ja sein, dass der eine oder andere Heimbewohner vorher ein einer Abwägung selbst gesagt hat, dass er lieber die Enkelin wieder sehen würde, als alleine zu bleiben. Aber gilt das auch für seine Nachbarin? Vielleicht ist die ja lebensfroh, noch reichlich gesund und hätte gerne noch ein paar Jahre gelebt. Und hätte gerne die Enkelkinder weiter wachsen gesehen?

Mich macht das sehr wütend, weil es so vorhersagbar war! Niemand kann sagen, dass man nicht wissen oder zumindest ahnen konnte, dass das was nun passiert, passiert ist. Nicht zuletzt weil wir das Drehbuch bereits im Frühjahr durchgespielt haben. Angeblich sind Politiker:innen jetzt „betroffen“. Heißt das, wir sehen jetzt auch mal Rücktritte in Konsequenz dieser Fehleinschätzung?

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