Status von #CoronaKiel Ende Januar 2021

Artikel und Beitrag im NDR zur Bildungsministerin Prien

Vorweg: Genau ein Monat ist mein letzter Beitrag her. Es gab zwar immer wieder neue Meldungen, aber das Gefühl war: Es ist schon alles gesagt und wir drehen uns im Kreis, inklusive meine Beiträge. Ich versuche nun aber mal die Zeit von November bis Ende Januar nachzuvollziehen beim Thema Corona und Fokus auf die Schulen.

Viele hatten im Frühjahr und Sommer 2020 davor gewarnt nach den Sommerferien (bis zum 8.8.2020) den vollen Betrieb mir PräsenzPFLICHT wieder aufzunehmen.

Wie war die Situation am 1. November? Wir hatten 150 gemeldete Fälle. Es gibt eine Chronologie des NDR vom November 2020. Das muss ich daher nicht selber machen:

Der zweite Teil-Lockdown mit Kontaktbeschränkungen und Schließungen in Gastronomie und Kultur beginnt Anfang des Monats

Einschränkungen beschlossen:

* Treffen von nur noch zwei Haushalten
* Touristische Übernachtungsangebote verboten
* Gastronomie wieder geschlossen
* Keine Veranstaltungen, keine Kultur und kein Freizeitsport
* Gottesdienste dürfen weiter stattfinden, Schulen, Kitas und der Einzelhandel bleiben geöffnet.


20. November 2020: Zahl der Neuinfektionen erreicht neuen Höchstwert Gut zwei Wochen nach Inkrafttreten des neuen Teil-Lockdowns erreicht die Zahl der täglich verzeichneten Neuinfektionen mit dem Coronavirus in Deutschland einen neuen Rekordwert. Das RKI vermeldet 23.648 neue Fälle.

Und dann gibt es die Corona-Chronologie Dezember 2020:

Anfang Dezember treten verschärfte Maßnahmen des Teil-Lockdowns in Kraft. Doch angesichts stark steigender Infektionszahlen kommt es am 16. Dezember zum zweiten harten Lockdown in Deutschland.

Noch am 8. Dezember wandte sich Bildungsministerin Prien gegen eine Schulpflichtpause. S.a. Coronavirus-Blog des NDR vom 8.12.20. Da war der Inzidenzwert in SH noch bei 55,8.

14.12.20 (wieder NDR):

Kurswechsel mit geschlossenen Schulen Lange hatte die Landesregierung betont, dass die Schulen nicht dicht gemacht werden sollen. Garg begründete den Kurswechsel damit, dass es auch in den Bildungseinrichtungen vermehrt zu Corona-Ausbrüchen gekommen sei. …

Der Lockdown wird bis zum 10. Januar verlängert.

Auf der Seite: Coronavirus: Aktuelle Zahlen für den Norden kann man sehr schön einige Entwicklungen beobachten. Man sieht zB einen Peak der Zahlen rund um Weihnachten. Ich muss sagen ich hatte da durchaus befürchtet, dass das zu Superspreader-Feiertagen wird.

Und man sieht in einer weiteren Grafik „Neuinfektionen pro 100.000 Menschen in der jeweilgen Altersgruppe (7-Tage-Inzidenz)*“, dass von Mitte Juli bis Mitte Dezember die Altersgruppe der 15-34-jährigen auffällig höher lag, als die der über 80jährigen. Und das vor allem ab dem 11. Januar die Zahlen sinken, ebenso wie andere Gruppen (nicht so sehr die über 80jährigen).

All das deutet doch stark darauf hin, das die Rolle der Schulen enorm war. dabei geht es nicht nur um Ausbrüche an Schulen selbst oder betroffene Schüler:innen, sondern auch die Schule als Ort, in dem am meisten Menschen zusammen kommen und Ansteckungen passieren, die zB dann auch zu den Älteren getragen werden!

Doch Frau Prien musste zwar zugeben, dass die Infektionszahlen stiegen und daher ja auch in SH die Schulen geschlossen wurden, doch verkündete sie Anfang Januar dennoch wie bisher, dass so viel Präsenzunterricht wie möglich das Wichtigste Bildungsziel überhaupt ist. Ein Video findet sich auf der Seite „Das gilt ab 11. Januar in Schulen und Kitas (NDR)„. auch klammert sie sich wieder an den Inzidenzwert von 50. Der gilt, soviel ich weiß, weil man darunter überhaupt erst in der Lage ist, Einzelfälle nachzuverfolgen? Genau diese Fixierung auf Inzidenzwerte ist ja dann auch der Grund gewesen, dass der Virus nicht zurückgedrängt werden konnte und es zu einer zweiten Welle kam. Erst seit heute gilt in Deutschland zB eine Einreisesperre für die viele Reisend unter aus Großbritannien, obgleich inzwischen die neue Virusvariante seit September bekannt ist und mittlerweile auch in SH gut etabliert sein sollte. Die Engländer sagen zu solche Maßnahmen gerne Too Little too Late!

Sie betonte auch wieder die Maßgabe „Auf Sicht zu fahren“. Weil man angeblich immer spontan reagieren muss und will. D.h. man will gar nicht alles unternehmen, um das Virus einzudämmen, sondern man will möglichst schnell Freiheiten wieder herstellen, sobald es etwas besser wird. Das ist der Hauptgrund, das Deutschland noch nicht virenfrei ist. Im Gegensatz zu Ansätzen von #ZeroCovid oder #NoCovid wie sie zB eher in Ländern wie Taiwan oder Neuseeland zu finden sind. Dort konnte man dann aber interessanter weise problemlos zum Präsenzuntericht zurückkehren!

Serpil Midyatli (SPD-Vorsitzende in SH) forderte Mitte Januar nicht ganz zu Unrecht den Rücktritt von Bildungsministerin Karin Prien (SZ-Artikel vom 15.1.21). Ich war ja bisher kein großer Fan von Frau Midyatli, die ich noch aus dem Ortsbeirat Gaarden kenne. Allerdings stehe ich hier zum ersten mal 100% hinter ihrer Meinung und Kritik und finde es auch enttäuschend, dass die SPD-Fraktion ihr da nicht gefolgt ist.

Aus meiner Sicht sind die Zahlen auch gar nicht mehr so interessant. In Peking wurde die ganze Stadt wegen 49 Fällen(!) (nicht pro 100.000 sondern in absoluten Zahlen!) heruntergefahren. Weil man dort eine Nulltoleranz-Politik verfolgt, weil man davon ausgeht, das die Duldung des Virus zu mehr Einschränkungen und Folgen führt.

Frau Prien steht ja nicht alleine mit der verfehlten Politik. Frau Midyatli hat vollkommen Recht: Wenn nach 8 Monaten der Distanzunterricht immer noch nicht läuft, dann läuft etwas grundsätzlich falsch. Frau Prien meint ja, dass Digitalisierung nicht Distanzunterricht bedeutet, sondern eher mehr Multimedia im Präsenzunterricht.

Ich denke aber auch: In Zeiten von Corona, muss es heißen: So wenige Präsenzunterricht wie möglich! Die Schule als Lernort wird vollkommen überschätzt. Die Zunahme der Nachfrage nach Nachilfeangeboten (auch in Bayern!) belegt das deutlich.

Viele Schüler:innen lernen heute bereits primär durch hervorragende Lehrvideos auf Youtube. Zu glauben, das die Lehrer:innen immer in der Lage wären individuell das Lernen zu unterstützen ist abwegig. Modernes Lernen muss auch Distanzlernen beinhalten. Und davor selbst unter Coronabedingungen die Augen zu verschließen grenzt schon an Wahnsinn!

Wohl kaum eine Maßnahme hat so viele Menschenleben gekostet wie das Offenhalten der Schule. Natürlich auch das Offenhalten von Heimen für Besucher:innen oder die Weigerung Einreisen aus Großbritannien bereits vor Monaten, als noch Zeit war zu reglementieren.

Die Politik ist einfach ein Fortsetzung dieses vorhin schon genannten Mottos „Too little too late!“ Aus meiner Sicht wirkt dies sogar menschenverachtend und todesverachtend. Hier wird klar gesagt: „Wir haben Rekordzahlen an Toten und Infizierten? Das ist uns egal! Wir haben schließlich Prinzipien! Ein paar tausend mehr Tote stören uns nicht? “ Und man propagiert die Ansicht, dass das politische Handeln keinen Einfluss auf die Pandemie hat, außer das man meint, es wäre ja sonst noch schlimmer, wenn man nicht so gehandelt hätte, wie man gehandelt hat. Auch gerne noch mal ein ALTERNATIVLOS nachschieben?

Und da ist nicht viel Licht in der Parteienlandschaft. Von A-Z kritiklos, im schlimmsten Fall soagr Coronaleugner und Forderungen nach weniger Maßnahmen.

Es gibt zwar bisher keine funktionierenden Konzepte zur Eindämmung oder Beendigung der Pandemie, aber dafür ein Konzept zur Schulöffnung in SH. Das fixiert sich erneut an dem aus meiner Sicht gescheiterten Inzidenzverfahren, also das Maßnahmen abhängig vom Inzidenzwert verhangen oder gelockert werden.

Der entscheidende Fehler aus meiner Sicht ist, dass damit noch keine Vermeidung einer Ausbreitung verbunden ist. Ok, ein Kreis kann mehr oder weniger also 50 oder 100 Inzidenzen pro 100.000/Ew. haben. Aber das bedeutet ja nicht, dass es so bleibt. Das Konzept als solches bewirkt ja nicht, dass der Wert sinkt. D.h. man lockert und gerät dadurch eher oberhalb des Wertes. Man behandelt das ganze eher wie Ebbe und Flut. Also etwas was unvermeidbar und wiederkehrend ist.

Corona-Epidemien aber sind vermeidbar und kann zurückgedrängt werden. Das ist weltweit seit 2002 vielfach belegt. Nur wir verschließen dafür immer noch die Augen. 50.000 Tote deutschlandweit und weiter steigend. Die neuen Virusvarianten können dabei jederzeit zu einer dritten und größeren Welle führen. Dann übrigens wieder OHNE Präsenzunterricht!

Und hier beißt sich die Katze eben in den Schwanz: Genau die Weigerung Einschränkungen als gegeben und notwendig anzunehmen, sondern stets zu vermeiden führen dazu, dass wir in Deutschland und in SH höhere und länger andauernde Einschränkungen in Kauf nehmen müssen. Es besteht ja auch die Gefahr, dass der Virus weiter mutiert und ggf. eine unerwartete Variante entsteht, die dann weniger durch Impfungen bekämpft werden kann. Die Pandemie könnte so auf Jahre zu einem Dauerzustand werden!

Mir fällt da auch nichts mehr weiter zu ein, außer das man diese Politiker:innen auf keinen Fall mehr wählen darf. Da wähle ich dann lieber gar nicht, als den eigenen Untergang zu wählen. Solange nicht eine Partei mal mit Vorschlägen kommt, die die Aussicht auf Erfolg haben. Aber da wird lieber gemeinsam geschunkelt, als das mal harte Kritik geäußert oder ein Kurswechsel eingeleitet wird. Das ist halt so typisch deutsch: Aussitzen, Abwarten, auf alte Werte beharren. Aber gleichzeitig meinen man wäre ganz toll und Weltspitze….

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.