Impfen, Testen, Privilegien #COVID19de

Caricature; Vaccination Wellcome L0027996
L0027996 Caricature: VaccinationCredit: Wellcome Library, London. Wellcome Images images@wellcome.ac.uk http://wellcomeimages.org Vaccination. Punch Published: Jan – Jun 1881
Copyrighted work available under Creative Commons Attribution only licence CC BY 4.0 http://creativecommons.org/licenses/by/4.0/

Noch nie erschien mir die gesellschaftliche Debatte so launenhaft und unsachlich wie innerhalb des vergangenen Jahres bis heute. Nichts was gestern gesagt wurde, scheint heute noch mehr Relevanz zu haben. Dann noch die Explosion mancher öffentlicher Persönlichkeiten, die sich selber zu Coronaspinnern degradierten. Der Virus hat eine Wirkung nicht nur auf die, die körperlich angesteckt werden. Die Debatte selbst, die Pandemie selbst hat die Gesellschaft erfasst.

Nur mal so einige Position, die man seit November 2019 in Deutschland erfahren konnte (als Basis dieser alte Artikel von mir):

  • (ca. November/Dezember 2019): In China ist ein Sack frei umgefallen“ (Meldungen über schwere Lungenerkrakung China! Schnelle Reaktion in Taiwan!) – Was hat das mit uns zutun? – Dieser Spruch ist durchaus rassistisch zu deuten als: Was interessiert uns, was in China passiert? Nur, liebe Leute, wir leben schon seit langem in einer globalisierten Welt, Wir beziehen täglich Tonnen an Ware aus China, wenn China beschließt unseren Plastikscheiß nicht mehr abzunehmen, dann wissen wir nicht mehr weiter. VW hat Fabriken in China. In wenigen Stunden reist man zwischen Europa und China hin und her.
  • 30. Januar 2020: WHO ruft globalen Notstand aus! – Das ist hier gar nicht angekommen in den Medien. Das RKI schon das komplett zu ignorieren und bewertete die Gefahrenlage nach wie vor mit „mäßig“. Spätestens jetzt hätte man Flughäfen sperren müssen und können. Das passierte in Deutschland erst im September. Soviel ich weiß gibt es nach wie vor kein Fiebermessen an Flughäfen!?
  • Februar 2020: Anti-Asiatischer Rassismus macht sich breit: Zwar glauben viele Leute, Asien hätte mit uns nichts zutun, aber Hass und Rassismus verhindert das nicht. In vorderster Front Zeitungen wie der Spiegel und die TAZ. Es sind eben nicht nur die Nazis. Und Rassismus wurde immer schon medial befördert
    • Masken? Die helfen doch sowieso nicht! Lächerlich!“ „Fußballspiele absagen? Kein Karneval? Jetzt macht euch nicht lächerlich!“ Ja, auch der Söder damals. Leute, die gewarnt haben waren Spinner – ihr habt ja keine Ahnung, wir haben ja das RKI und das sagt, dass Virus wäre für uns vollkommen ungefährlich
  • März 2020: das RKI bewertet jetzt erst das Risiko als hoch. Dadurch sind wertvolle Monate verpasst worden. Für mich ist der entscheidende Fehler, die von dem RKI immer betonte „dynamische Gefahrenlagebeurteilung“. Wichtiger und richtiger wäre aber m.E. eine weit vorausschauende Sichtweise die auf worst case basiert. Es nützt uns gar nichts, wenn wir, nachdem die Viren sich ausgebreitet haben immer wissen, was wir hätten machen sollen. Weil es vorher ja keine ausreichende Datenbasis gibt?
  • März 2020: Panik in Deutschland: Alles wird dicht gemacht, auch wenn Ende März schon klar ist, dass die Zahlen deutlich zurück gehen. Wo zuvor selbst Großveranstaltungen nicht abgesagt wurde, schoss man nun über das Ziel hinaus. Man konnte so aber auch nicht herausfinden, welche Maßnahmen wirklich helfen würden, sollte es zu einer zweiten Welle kommen.
  • Auch die Coronaspinner entstanden als durchaus diverse eigene Gruppe. Die Gesellschaft zankt sich, natürlich bevorzugt in Talkshows. Virologen an jeder Ecke. Und Lauterbach wird jeden Monat mehr für die einen zum Helden und für die Anderen zum personifizierten Bösen.
  • Aprilscherze: Angeblich würde die USA mit Männern mit Men in Black an Flughäfen stehen und Masken-Lieferungen an EU-Staaten abkaufen. Medien und Politiker kritisieren das öffentlich, ohne den Wahrheitsgehalt zu überprüfen.
  • Vom Mai und Frühsommer an wurde trotz Warnungen wieder gelockert, Schulen auf usw.. Wieder schoss man über das Ziel hinaus (diesmal in die Gegenrichtung) und bereitete dadurch die zweite Welle vor. R-Werte, Inzidenzwerte wurden uns seitdem täglich um die Ohren gehauen. Die Politik bemüht zu zeigen, wie gut sie die Pandemie steuern kann und wie gut sie genau weiß, was sie tut. Stimmte nicht.
  • Oktober 2020: erneuter Lockdown (light), so geht es nicht weiter. Aber Schulen und KITAs bleiben auf, obwohl bekannt ist, dass sie Haupttreiber der Pandemie sind. Man darf vielleicht erinnern, dass dem Testen nie besonders viel Aufmerksamkeit geschenkt wurde. ja, die Testkapazitäten wurden stets erhöht, was bei den Spinnern die Überzeugung nährte, dass wenn man nicht testen würde, es auch kein Corona mehr geben würde.
  • Jahreswechsel 2020/2021: Man lässt Weihnachtsfeiern zu, auch wenn das bedeutet, das Millionen Menschen kreuz und quer durch die Republik reisen um in großen Gruppen gemeinsame Familienfeiern abzuhalten. Gleichzeitig beginnt das Impfen und das dazu passende Impfchaos. Die Politik verspricht, dass jetzt die Pandemie kurz vor ihrem Ende sei („Licht am Ende des Tunnels“).
  • Januar/Februar 2021: Es gibt große Kritik an der Strategie der Impfbestellungen der EU. Andere Länder sind besser, wie Israel, Großbritannien und die USA. Aber hier ist auch daran zu erinnern, dass kaum jemand zu hoffen gewagt, dass so früh mehrere Impfmittel in milliardenfacher Dosis weltweit zur Verfügung stehen würden. Das Impfen ist ein klarer Erfolg, bei allen Fehlern und Schwächen und auch berechtigter Kritik!
  • März 2021: Testen, Testen, testen. Selbsttest-Kits sind das neue Klopapier. Am ersten Tag bereits alles ausverkauft, auch wenn nicht absehbar ist, wie zuverlässig die Tests sind und welche Vorteile ein negativer Test uns wirklich bringt. Eigentlich ist es nur so, dass ein positiver Test Anlass sein sollte, einen richtigen PCR-Test zu machen! Ein negativer Test sagt nur wenig darüber aus, ob jemand nicht infiziert ist! (ohne Symptome bei ca. 50%)! Wieder werden massiv Hoffnungen geschürt, dass mit dem Testen alle Freiheiten wieder zurückkommen könnten.

Dies nun ein sehr unvollständiges und launischer Rückblick des letzten Jahres. Für ich steht fest, dass wenn man im Dezember/Januar 2020 konsequent gehandelt hätte, es evt. nicht ein mal zu Infektionen in Europa hätte kommen müssen geschweige denn zu Toten.

Das eine weltweite Corona-Pandemie kommen würde, wussten viele spätestens seit 2002 und SARS-CoV-1. Und wir wissen auch, dass weitere Pandemien folgen werden. Auch viele Folgen wie die gesundheitlichen Langzeitfolgen, die Rolle der Schulen, Nützlichkeit von Maske und vieles mehr war international bekannt und ist teilweise auch Teil des Medizinstudiums.

Was daher nicht stimmt ist, das :

  • niemand wissen konnte, dass es eine Corona-Pandemie geben könnte (siehe auch Bill gates jahrelange Aufklärungskampagne!)
  • das niemand im Januar wissen konnte, dass da eine Pandemie auf uns zurollt (Die WHO warten Ende Januar genau davor!)
  • Das man in Deutschland Ansteckungen nicht hätte verhindern können (nein, wir haben uns bewusst dagegen entschieden!)
  • Das 80.000 Tote unvermeidlich waren (nein, wir haben uns bewusst dagegen entschieden das Virus effektiv zu bekämpfen!)
  • Das wir ALLES getan hätten, diese Pandemie zu bekämpfen ( Ich höre immer nur Öffnungsperspektive, wir könnten schon seit April 2020 wieder ein normales Leben führen, wenn man nicht immer wieder versucht hätte alles runterzuspielen!)

Schuld an den Pleiten, an den Einschränkungen und dem Lockdown sind nicht die, die mit #ZeroCovid oder #NoCovid für harte Maßnahmen plädiert haben. Schuld sind die Leute, die gar keine bis wenige Einschränkungen akzeptiert haben, sind die Politiker:innen, die sich stets für Lockerungen eingesetzt haben. Hätten wir heute nur noch 20 Infizierte insgesamt, hätten wir auch keine Maßnahmen mehr.

Erschreckend ist für mich, dass nun zum dritten mal die gleichen Fehler gemacht werden:

Verharmlosen, Ausbremsen, zu früh lockern

Ich glaube sogar, dass manche Maßnahmen total nutzlos oder unbedeutend waren. Man hätte also punktuell auch weniger Maßnahmen haben können. Aber das passt zum Bild: Die Politik ist nicht ergebnisorientiert. die Politik möchte Handlungsfähigkeit demonstrieren. Und das geht mit Schließungsanordnungen genau so gut wie mit Öffnungen. Daher schneiden sie ja so gerne Bänder durch und werden fotografiert oder drücken rote Knöpfe: Es geht um den symbolischen Akt, der ihre Macht zeigt. Ob das hilft, was man tut, oder ob das Menschenleben kostet ist zumindest nur zweitrangig. Oder wie man in den USA sagt „Optics“ . Es muss gut aussehen. Ein Gesundheitsminister oder bayerischer Ministerpräsident oder Kanzlerin oder RKI-Chef die auf den Tisch haut und sagt: „So geht es nicht weiter!“ oder das Gegenteil „Diese Zahlen sehen vielversprechend aus, vielleicht können wir …“

Und wir hängen an deren Lippen, weil wir davon abhängig sind, was sie sagen. Und wir glauben zum Teil auch, dass wenn eine Politiker:in sagt, die Schulen können aufgrund guter Zahlen geöffnet werden, dass dann die Fakten, dass sich die Inzidenz in Kiel in einer Woche verdoppelt hat bedeutet, dass das ein positives Signal ist. Hat sie ja gesagt. Wir müssen uns ja täuschen. Es kann gar nicht so schlimm sein, denn „wir dürfen ja wieder öffnen“.

Der Optimismus leitet sich also weniger von Informationen über positive Entwicklungen ab, sondern über politische Beschlüsse, die eine Verbesserung oder Verschlechterung nahelegen. Aus meiner Sicht belegen die letzten Monate aber, dass die Politik nicht faktenbasiert handelt. Es ist nicht viel anders wie beim Klimaschutz oder anderen Themen. Leider muss man sagen, dass da alle Parteien auf ganzer Linie versagt haben

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