Warum #ParkandRide Mist ist #KielAutofrei

sn63ncd, canterbury park and ride bus, in st georges lane canterbury, (20th of august 2016

Es klingt wie eine geniale Lösung: „Park & Ride“ für Städte: Die Menschen aus dem Umland fahren bis zum Stadtrand, lassen dort ihr Auto stehen und steigen dann in den ÖPNV um, um in die Stadt zu fahren zum Einkaufen oder Arbeiten.

Leider hat das Konzept einige Probleme:

  1. Es ist kein neues Prinzip. Die ersten P&R Parkhäuser entstanden bereits vor Jahrzehnten: „1927 führten mehrere Warenhäuser in Boston und Philadelphia das Park & Ride-Prinzip ein. Um ihren Kunden den innerstädtischen Autoverkehr zu ersparen, baute man außerhalb der Stadt Parkhäuser, von denen aus die Kunden kostenfrei mit Bussen und Straßenbahnen ins Zentrum befördert wurden. Um diese außerhalb gelegenen Parkhäuser wurden zusätzlich Einkaufsmöglichkeiten geschaffen – die Geburtsstunde der Shopping Mall.“ (Quelle) Dennoch hat das Konzept bisher nicht die versprochene Lösung gebracht.
  2. Aus der Geschichte ergibt sich ja bereits, dass die sinnvolle Fortführung des Prinzips Outlet Center am Stadtrand oder auf dem Lande sind, am besten gleich mit Autobahnanbindung. Dann geht der Verkehr eben eher zu IKEA und dem CITTI-Park. Vorteil ist dabei dann natürlich gleich: Die Ware kann gleich auf kurzem Weg zum Auto und in den Kofferraum bringen, anstatt sich noch in den Bus zu zwängen oder auf die nächste Straßenbahn zu warten.
  3. P&R braucht Platz und kostet Geld. Die Errichtung eines Parkplatzes kostet mindestens 1.500 Euro (Quelle), kann aber bei Parkhäusern bis 6.000 € kosten. Der Unterhalt jedes Jahr bis zu 300 €.

Wenn man P&R zB in großem Stil realistisch pushen wollte zB in Kiel so müsste man:

  • Parkhäuser errichten, um den Flächenverbrauch zu minimieren. Und zwar an mehreren Orten, die einen bestmöglichen ÖPNV-Anschluss haben. Sie müssten auch eine hohe Kapazität haben, um möglichst auf ein weiteres Verkehrswachstum aufzunehmen und auch immer einen freien Parkplatz zu bieten.
  • In Paderborn kostet ein geplantes Parkhaus am Hauptbahnhof für lediglich 500 Parkplätze rund 10 Mio € – das wären aber schon 20.000 € pro Parkplatz (Quelle). Ich nehme an, das man entweder viel mehr Parkhäuser bräuchte oder eben größere Parkhäuser. In Kiel gibt es mehr als 60.000 Pendler:innen täglich (Quelle)

Nehmen wir einfach mal 10.000 € pro Parkplatz, wenn man auch noch entsprechende Zufahrten und eine entsprechende ÖPNV-Struktur am P&R Parkplatz anlegen würde, so käme man bei zB 50.000 P&R Parkplätzen. Dann könnte das für Kiel eine Gesamtinvestition von 500 Millionen Euro sein für einen großen Ausbau.

Das wäre dann ein Volumen, das auf dem gleichen Niveau wäre wie der Neubau der Stadtbahn (Quelle). Es gibt eben nichts zum Nulltarif.

Und für die Umsetzung bräuchte es auch wieder Planung, die dann aber zB auch die Zukunft des ÖPNV voraussehen müsste. Und es würde voraussetzen, dass entweder die Autofahrenden freiwillig P&R benutzen, oder die Einfahrt in die Stadt gesperrt wird. Es gibt da also viele Unbekannte Variablen.

Zudem sollte die Reduktion des Autoverkehrs Ziel sein. Wer aber weiterhin mit dem Auto nach Kiel kommt, warum sollte er dann nicht gleich rein fahren? Und wenn das zu unattraktiv ist, wer sagt uns dann, ob nicht diese neuen großen Parkhäuser, wenn wir die Autos erfolgreich reduzieren einfach leer stehen und dann hunderte Millionen in den Sand gesetzt haben, inklusive viel Sand und Beton und CO2 in die Atmosphäre geblasen. Nicht nur für die Parkhäuser selbst, sondern auch für die Zufahrten und Infrastruktur rund herum.

Zudem bedeuten diese Parkhäuser, das an selber Stelle keine Wohnungen oder sonst was gebaut werden kann, oder eben Naherholungsfläche weg fällt.

Außerdem ändert sich zur Zeit auch die Struktur der Städte. Die Innenstädte werden weniger Einkaufszentren sein und mehr Wohnfläche. Insofern wie schon bereits durch Malls am Rande von Städten und das Internet entfällt die Einkaufsfunktion zum Teil. Und auch da Arbeiten wird durch das Internet zum Teil auch von anderswo möglich. Von Zuhause oder zumindest im Nachbardorf in Coworking Spaces.

Fazit

Die Forderung nach P&R klingt smart, aber wie der Blick in die Vergangenheit bereits zeigt war es bislang schon nicht aus Gründen erfolgreich. Zu denken es wird schon irgend wann ein erfolgreiches Konzept ist naiv und nicht zu Ende gedacht.

Geschickter ist es, wenn die Leute erst gar nicht in ihr Auto einsteigen. Gerade mit der Drohung des Klimawandels geht es darum, dass wir in spätestens 20 Jahren eine radikale Mobilitätswende vollendet haben. Was wir heute investieren sollte daher auch 2040 noch an Struktur benötigt werden. Und insbesondere wenn wir in Betonausbau investieren sollten wir keine Investitionen in den Sand setzen.

Leider gilt dieses Park&Ride zu Unrecht öffentlich als smarte Zukunftslösung. Es wird aber eher mehr Probleme schaffen als lösen. Und es gibt dabei auch noch viele offene Fragen. Wir müssen aber HEUTE handeln, nicht morgen! Und daher am besten dort investieren, wo wir wissen, dass es gut und richtig ist!

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