Gibt es in der Stadtgalerie Kiel keine #Kunstfreiheit ?

Foto des Werkes "Wipe Out". Surfender Maaßen
Foto des Werkes „Wipe Out“ – Lizenz: gemeinfrei

Die Gruppe „Rocco und seine Brüder“ wurde eingeladen in einem Container, der an die Stadtgalerie angedockt ist und von dieser an die Gruppe Prima Kunst vermietet wird, auszustellen.

Das Werk heißt „Wipe Out“ und zeigt unter Anderem Hans-Georg Maaßen und Armin Laschets Gesichter, die in Surfszene in einem Video hineingeschnitten sind. Vor dem Bildschirm mit dem Video ist eine Welle aus AfD-Plakakaten geformt.

Was heißt „Wipe Out“?

Ein Wipe Out (to wipe out = auslöschen, vernichten, ausrotten) beschreibt in der Szenesprache von Wellenreitern und Windsurfern einen besonders schweren und spektakulären Sturz. Einige der gefährlichsten Wipe Outs kommen bei der Extremsportart Tow-in surfing vor.Die Gefahren von Wipe Outs sind die Sturzhöhe auf das Wasser, Riffe direkt unter der Wasseroberfläche und der Sog, der das Auftauchen behindert, schwere Verletzungen und der Tod durch Ertrinken.

Quelle: Wikipedia, Lizenz CC-BY-SA

Die Stadtgalerie hat dann aber das Zeigen dieses Werkes vor der Bundestagswahl untersagt und den Zugang zu dem vermieteten Container gesperrt.

Warum wurde es verboten?

„Neutralitätsgebot vor Wahlen“

Quelle: In Kieler Nachrichten von Peter Kruska, Leiter der Stadtgalerie Kiel

Kunstfreiheit, hallo?

Ja genau: Da war doch noch diese Sache mit der Kunstfreiheit. Rechtsanwalt Chan-jo Jun hatte auf Twitter zu der Aktion vom Zentrum für Politische Bildung Stellung genommen und ich dies zum Anlass genommen, ein mal den Fall zu erwähnen. Hier seine Antwort:

Und:

Meine nicht-juristische Meinung dazu: Wenn die Stadt bzw. Stadtgalerie anfängt Kunst abzuwägen und die Kunstfreiheit hintenan zu stellen ergibt sich aus dieser einmaligen Entscheidung vielleicht auch eine Verpflichtung oder eine Haftung für die Zukunft auch bei Werken, die direkt in der Stadtgalerie ausgestellt werden? Insofern könnte der Schuss sogar ziemlich nach hinten losgehen. Ich finde das Werk irgendwie „süß“ und das es verboten wurde ist das Sahnehäubchen. Vielleicht sollte man Peter Kruska auch noch mit in das Video reinschneiden?

Aus meiner Sicht gibt es in der Politik oder der Kunst keine Neutralität. Die Aktion der Stadt ist nicht neutral, sondern schränkt die Kunst zugunsten der AfD ein. Jede Aktion ist eine Aussage. Kunst zu verbieten ist niemals neutral. Die Stadt sagt sie hätte nichts verboten, nur nach der Bundestagswahl verschoben. Allerdings scheint sie das nicht gegenüber Prima Kunst angeboten zu haben.

Ich habe im Öffentlich-Rechtlichen Fernsehen weitaus nicht-neutrale Einspieler gesehen, als dieses harmlose Video. Vielleicht gibt es auch noch eine juristische Klärung, wer weiß. Die Entscheidung der Stadtgalerie erscheint jedenfalls unüberlegt und kunstfeindlich und dem Ruf von sich und der Stadt Kiel sehr geschadet zu haben.

Hier noch einige Fotos, der noch bis zum 2. Oktober 2021 in der Citiybox24 (Schwedendamm Ecke Bahnhofstraße, Karte) laufenden Ausstellung im Rahmen des Futur 3 Festivals, wo das Werk auch als Videodokumentation gezeigt wird:

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