Öffentliche Debatte um das Parken in Kiel #KielAutofrei

Mobilitätsverhalten in Kiel, Quelle: Stadt Kiel

Über Jahrzehnte hat sich die Stadt Kiel bemüht, das Parken mit dem Auto, besonders für Einkaufsverkehr attraktiver zu machen. Die letzten Aktionen dazu waren:

Beim Parken zahlt die Allgemeinheit mehrfach. Wer zu Fuß oder mit dem Rad einkauft, finanziert die Rückerstattung bei „Parken Plus“ mit, ein mal durch die Geschäfte, die die Kosten auf alle Kund:innen umschlagen und zum anderen durch die Stadt Kiel, die diese Parkpolitik durch neue Schulden finanziert.

Erstaunlicher weise hat man nun aber doch ein Parkraumkonzept angeschoben, dass dieser bisherigen Politik immer mehr Autos reinzuholen zuwider läuft.

Wie aus dem Beitragsbild oben zu erkennen ist, bewegten sich bereits 2018 62 Prozent der Menschen nicht mit dem Auto. Da man die letzten 2 Jahre einen starken Anstieg bei Fahrrädern beobachten konnte, vermute ich, dass wir vielleicht sogar bei 70% sein könnten. Dennoch behaupten Einzelhändler:innen nach wie vor, niemand würde ohne Auto einkaufen fahren. Da aber nur wenige Menschen in der Alt- und Innenstadt leben, gehe ich für die Alt/Innenstadtbereich sogar von einer noch höheren Quote an Leuten aus, die zu Fuß, mit dem Rad oder ÖPNV einkaufen. Vielleicht sind es lediglich 10-15 Prozent Autos – aber irgend wie denken viele umgekehrt, so als wären es 99% Autos. In Kiel haben maximal rd. 40% der Einwohner:innen ein Auto. In Gaarden, zb lediglich 20%. Wer in Gaarden wohnt wäre zB schon ziemlich bescheuert mit dem Auto in die Innenstadt zu fahren, um dort zu parken und einzukaufen!

Bezeichnend fand ich einen Satz, der vom CDU-Fraktionschef Rainer Kreutz in der KN zitiert wurde, nämlich das die Nutzung der Stadt für etwas anderes als das Auto „reine Esoterik wäre“ und „Er brauchen nur einen Parkplatz“. die CDU versucht davon abzulenken, dass sie mit ihrem eigenen „Verkehrskonzept“ gescheitert ist. Das Konzept der CDU ist unterm Strich: Es soll alles so bleiben, wie es ist und auf keinen Fall soll auch nur ein Parkplatz verloren gehen.

Nur eins ist klar: Die Probleme der Stadt und auch nicht der Autofahrenden lösen sie damit auch nicht. Ich muss sagen ich finde den neumodischen Begriff „Parkdruck“. Fast so schlimm wie „Parkraumbewirtschaftung“. Sicher ist es ein Schritt vorwärts, wenn die Stadt weg geht von der Politik: „Hier kostet Alles etwas, außer das Parken!“ Es ist schon pervers, dass Menschen wegen steigenden Mieten geräumt werden, aber ein Parkplatz in der Größe eines Kinderzimmers für beliebig lange Zeit umsonst genutzt werden kann.

Quele: https://www.fahrradtk.de/parkplaetze-vs-kinderzimmer/

Aber wenn wir zB den Wilhelmplatz (KN) nehmen: Es ist ja schön und gut, wenn da auch Gebühren anfallen. Und von mir aus soll man auch dem Pflegepersonal Parkplätze reservieren, wie zeitweise während der Pandemie. Aber: Es kann ja nicht sein, dass wir eine 2,3 Hektar große Fläche für Autos reservieren, selbst wenn die eine Gebühr zahlen! Was wäre dort alles möglich! Ein kompletter Häuserblock mit Raum für hunderte Menschen, wenn man wollte. Oder eine Mischung aus Wohnung, Treffpunkt, Erholungsfläche, Haltestellen für die Stadtbahn, … Gleiches gilt natürlich auch für den Exerzierplatz. Es ist schon pervers, dass aus großen Freiflächen wie selbstverständlich Parkflächen entstanden sind. Und wenn ein mal eine Demo ist, wird gemeckert, dass die Autos weichen müssen! So als hätte man diese Flächen immer nur für Autos geschaffen.

Das ist eben dieses Privilegiendenken: Man ist es so gewohnt alles immer und überall kostenlos in Anspruch zu nehmen, dass ein Infragestellen des Status Quo als Angriff und „Esoterik“ gewertet wird. Weil für manche Stadt schon gleich Auto und Parkplatz ist.

Das hat seine historischen Wurzeln noch von den Futurist:innen oder „Architekten“ wie Le Corbusier – von dem hier einige Zitate (Quelle):

  • „„Der Kern unserer alten Städte mit ihren Domen und Münstern muß zerschlagen und durch Wolkenkratzer ersetzt werden.“
  • „Das Haus ist eine Maschine zum Wohnen.“

Eben wieder das Thema „Autogerechte Stadt“, die als Konzept schlicht gescheitert ist. Wie man im Softwarebereich gerne sagt: „Es skaliert nicht“. Ein Stadtplaner hat ein mal den Vergleich gemacht, dass der Anspruch mit dem Auto in die Stadt reinfahren zu können so sinnvoll wäre, als wenn jeder einen eigenen Fahrstuhl in einen Wolkenkratzer haben wollte.

Die Herausforderung an alle, die am Status Quo liegt auf dem Tisch, zu belegen, dass dieses alte Konzept funktioniert und wir nichts ändern müssen. Ok „Parkraumleitsysteme“, darauf lassen sie sich oft noch ein. Weil man denkt, es wäre lediglich ein Verteilungsproblem. Das auch, aber primär ist ja die schiere Masse an Autos, die jedes Jahr neue Rekorde feiert ein Problem.

Aus meiner Sicht ist das neue Parkraumkonzept der Stadt nicht weitgehend genug. Es wird daher vermutlich bestehende Probleme eher verschärfen und auf absehbare Zeit nichts verändern. Es fehlt vor allem auch die Erkenntnis über den Zusammenhang zwischen fließendem und ruhendem Verkehr. Und klar ist auch, dass es ohne City-Maut für Städte keinen Ausweg gibt aus dem Autodilemma! Da ist man aber noch Jahrzehnte von entfernt, das zu erkennen oder zu fordern in Kiel, anders als in Frankfurt, Berlin und München, wo man dies lieber heute als morgen machen würde und vermutlich auch die kommenden Jahre konkret einführen wird.

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