#CoronaSH #Schlauberger vs #Querdenker

n. FDP-Kollege Buchholz sagte, damals sei bei einer Inzidenz von 150 niemand davon ausgegangen, dass in Diskotheken ein solches Ausbruchsszenario stattfinden könnte - "außer die Schlauberger, die jetzt hinterher sowieso alles besser wissen". Omikron "hat uns eines Besseren belehrt", sagte Buchholz.
Quelle. NDR/Twitter – Bern Buchholz (FDP)

Offenbar hatte die Landesregierung andere Schlussfolgerungen aus den Modellregionen gezogen als ich im August 2021#CoronaKiel Kiel bundesweit Stadt mit höchster Infektionsrate!“ :

Screenshot RKI Dashboard
Inzidenz in KIel August 2018 (Quelle: RKI)

Ich schrieb damals:

Wir wissen jetzt auch, welche Ergebnisse die Modellprojekte hatten, wie zB das Öffnen von Discos ohne Abstand und Maske oder das Öffnen von Modellregionen. Sowas kommt eben von Sowas. Schleswig-Holstein wollte dieses mal auch vorne dran sein beim Öffnen in der Vierten Welle.

Wir wissen jetzt auch, was Herr Buchholz damals wie heute von Leuten wie mir denkt, die davon ausgegangen sind, dass Tanzen ohne Maske und Abstand nicht gut gehen kann:

Wir sind die Schlauberger!

Weil: Damals waren wir die Spinner:innen, die überhaupt keine Ahnung hatten und da eine Gefahr gesehen haben, die vollkommen unrealistisch war. Denn die Landesregierung wusste: Da kann nie und nimmer was passieren. Denn die Modellregionen waren laut ihrer Analyse ja gut gegangen. Also ungefähr so, wie wenn man ohne Helm oder Gurt ein mal von Hamburg nach München fährt, mit Motorrad oder Auto und das Fazit zieht: Da nichts passiert ist, sind Gurt und Helm unnützes Zeug – der Beweis wurde angetreten! Und wer das Gegenteil behauptet, ist ein:e Schlauberger:in!

Und ein paar Monate später bekommt man noch mal den gleichen Vorwurf. Allerdings wird dann behauptet, man würde sich diese Warnungen ja erst im Nachhinein ausdenken. So nach dem Motto „Hinterher sind wir ja alle immer schlauer“. Unterm Strich also haben wir zweimal gelogen: Ein mal VORHER, weil wir ja nicht die Zukunft sehen könnten und NACHHER, weil wir zu Unrecht behaupten, man hätte das ahnen können! Im Gegensatz zur Politik, die eigentlich IMMER recht hat: Vorher, weil sie behauptet es gäbe keine Gefahren und hinterher, weil das NIEMAND hätte ahnen können!

Im Grunde mag die Politik daher die Querdenker mehr, weil die sich mehr am Rande bewegen und sich Sachen ausdenken wie „magnetische Arme“ oder behaupten ihnen wären Mikrochips eingepflanzt worden, oder das Impfen sei ein großes Genexperiment. Es ist nämlich viel leichter diese Theorien zu entkräften, wie auch Chemtrails oder die Flache Erde Theorie.

Die Querdenker:innen

Oder wenn man nur mit „Ängsten in der Bevölkerung“. Da trifft man sich auch gerne mit Impfgegner:innen wie der deutsche Bundespräsident Steinmeier. Was kein Wunder ist, hat er doch in seiner Weihnachtsansprache 2021 dies gesagt:

Natürlich gibt es dabei auch Streit. Natürlich gibt es Unsicherheiten und Ängste, und es ist wichtig, sie auszusprechen. Daran wird bei uns niemand gehindert. Entscheidend ist, wie wir darüber sprechen – in der Familie, im Freundeskreis, in der Öffentlichkeit. Wir spüren: Nach zwei Jahren macht sich Frust breit, Gereiztheit, Entfremdung und leider auch offene Aggression. Es stimmt: In der Demokratie müssen wir nicht alle einer Meinung sein. Aber bitte denken wir daran: Wir sind ein Land! Wir müssen uns auch nach der Pandemie noch in die Augen schauen können. Und wir wollen auch nach der Pandemie noch miteinander leben.

Zitat: Bundespräsident Steimeier, 25.12.201

Dies ist einer der weitverbreitesten Irrtümer in der Politik: Das Demokratie im wesentlichen aus einem Pol unterschiedlichster Meinungen besteht und dass es dann nur eine Frage der Mehrheiten sei, die sich dann aufgrund der BESSEREN Argumente organisieren und sich durchsetzen.

Aus meinem Blickwinkel funktioniert Politik und Meinungen in der Demokratie aber anders:

Es gibt verschiedene Interessen, Denktraditionen und Lobbies. Rassismus und Privilegien prägen das Denken auch über Generationen in Familien und Gruppen über Jahrzehnte und Jahrhunderte hinweg. Zu den Leuten, die heute auf die Straße gehen und zu Zehntausenden behaupten, ihnen wären die Menschenrechte entzogen worden, nur weil man sie dazu drängt, sich impfen zu lassen, oder weil sie nicht mehr überall hin reisen können oder nicht mehr ohne Maske überall rein- und herausgehen können:

Sie haben Privilegien aufgrund ihres Status. Sie sind es gewohnt immer alles überall machen zu können, zB als weiße Touristen auch in fremden Ländern immer noch ein spätkolonialen Habitus zu haben und sich leisten zu können auf Andere herunterzublicken. Oder mit dem SUV einfach überall parken zu dürfen. Und es als Anmaßung empfinden, wenn andere Verkehrsteilnehmer:innen eine Gleichbehandlung einfordern.

Und nun halt, dass wir in einer Situation leben, wo es vulnerable Gruppen gibt, die besonders durch das Virus gefährdet sind. Die Antwort der Querdenker:innen ist dann oft:

„Wieso, ich habe doch ein gutes Immunsystem, mir passiert schon nichts!“

Was ein wenig an Männer erinnert, die auch mal betrunken fahren oder zu schnell und dann sagen, sie würden das auch ohne Unfall machen können, weil sie ja so gute Autofahrer wären. Die brauche natürlich dann auch keinen Gurt.

Es ist nämlich vollkommen irrelevant, ob ihr Immunsystem gut ist. Einerseits daher, weil sie das Virus nur symptomlos weitertragen könnten und damit jemanden töten, oder weil sie trotz Immunstatus schwer erkranken könnten.

Man könnte ja auch auf die bald sechs Millionen Tote weltweit verweisen. Aber da kommen dann auch diverse Verschwörungstheorien zum Tragen. Also entweder gibt es dann das Virus gar nicht, oder es gibt keine Toten, oder mehr Tote durch das Impfen, oder es stehen da irgend welche Mächte dahinter, mit ganz anderen Plänen. Hier gibt es dann den Übergang zum Antisemitismus. Also irgend welche angeblichen Eliten, die uns schaden wollen.

Diese Leute kommunizieren dann vermehrt in ihrer eigenen Blase. Manche ändern ihre Meinung auch, wenn sie die Folgen am eigenen Leib erfahren oder in ihrem Umfeld. Was nicht weniger schlimm ist. Der Film „Don’t Look Up“ macht das ja sehr deutlich. Ursprünglich als Film gegen die Klimakatastrophe gedacht, lässt er sich auch gut auf Corona übertragen.

Es geht hier also weniger um irgend welche zufälligen Meinungen oder eine offene Diskussion, sondern um Privilegien, Antisemitismus und einem Ablehnen der Wissenschaft. Vielleicht auch der Überforderung einiger Menschen mit einer komplexen Welt, die diverser wird und mehr Toleranz erfordert und mehr Verständnis und die Aufgabe eigener Privilegien. Und mehr Zuhören. Wovon es aber sicher nicht zu wenig gibt sind alte weiße Männer, die den Erklärbären geben. Und die Querdenker:innen dadurch adeln, dass sie sie einladen zum Käffchen mit dem Bundespräsidenten.

  • Der Bundespräsident traf sich aber nicht:
    • mit Braunkohlegegner:innen, die das Klima retten wollen
    • mit Schwarzen Deutschen, die den Black History Month organisieren

Und warum nicht? Weil aus Sicht des Bundespräsidenten jeder dahergelaufen Coronaspinner weit mehr wert ist, als irgend welche Klimaaktivist:innen, die ggf. noch die Gewinne von RWE gefährden. Oder Menschen, die nicht zur Mehrheitsgesellschaft gezählt werden. Nein, da geht man nur hin, wenn ein Anschlag war, oder zum jeweiligen Jahrestag. Wo man dann sagt, dass wir alle nicht rassistisch sind, außer der jeweilige Täter.

Politik mag die Wissenschaft genauso wenig, wie die Querdenker. Externe Instanzen, die sie unter Zugzwang stellen und ihren Handlungsfreiraum einschränken? Nein, Politik betrachtet alles als Meinung, die verhandelbar ist. Daher trifft man schon lieber mit Leuten zum Käffchen und schenkt ihnen ein wenig Aufmerksamkeit. Ja klar will man die Coronapandemie bekämpfen und das Klima retten, das wollen wir ja alle!

Aber nicht SOFORT. Man will einen Ausgleich schaffen. Daher dann auch die Modellregionen der Landespolitik, um damit der Kritik der Bevölkerung zu begegnen: „Seht her, wir bekämpfen Corona, aber ihr könnt euch hier auch austoben und wir behaupten einfach, es können da nichts passieren!“ Zwar sollten die Leute sich an den Feiertagen nur im kleinsten Kreis treffen, aber 1.000 Leute in einer Disko ohne Abstand und Maske war ok?

Und daher verliert IMMER die Vernunft, weil sie unbequem ist. Wir sind im Zweifelsfalle einfach nur die Spaßverderber:innen. Die, die Politiker:innen beim Wort nehmen und ihr Handeln mit Argumenten infrage stellen. Solche Leute muss man ausgrenzen und ignorieren, mit Querdenkern dagegen redet man, weil die sich eh selbst zerlegen und der Politik nicht gefährlich werden. Weil jede:r sieht, dass das die Idiot:innen sind.

Das ist jetzt eine eher negative und pessimistische Sicht auf Politik. Aber sie verklärt vielleicht Einiges. Wir können leider nicht mehr erwarten, als vielleicht eine sehr radikal andere Politik. Aber davon sind wir noch weit entfernt.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.