Umbau der Werftstraße

Werftstraße/GaardenerRing
Gerade aus kein Radweg und kein Fußweg

In einigen Wochen wird der Umbau der Werftstraße umgesetzt, der auch eine Veloroute („Premiumroute“) vorsieht. Dieser Artikel soll zusammenfassen, was bisher bekannt ist.

Hierzu zitiere ich den Abschnitt aus dem Masterplan Mobilität der KielRegion:

Premiumrouten sind ein Element im Radverkehrsnetz der KielRegion, das als
übergeordnete Kategorie zu den Haupt- und Ergänzungsrouten eingeführt
wird. Sie entsprechen prinzipiell vom Qualitätsanspruch her der in anderen
Regionen (u. a. auch in der Metropolregion Hamburg) verwendeten Netzebe-
ne Radschnellweg oder Radschnellverbindung. Diese Routen verbinden wich-
tige Quell- und Zielbereiche mit entsprechend hohen Nachfragepotenzialen
auch über größere Entfernungen. Auf den Premiumrouten sollen hohe Ge-
schwindigkeiten und entsprechend kurze Reisezeiten im Radverkehr reali-
sierbar sein, sodass diese Routen insbesondere für die Nutzung von E-Bikes
und Pedelecs prädestiniert sind. Die Premiumrouten werden aus den Haupt-
routen entwickelt und sind mit dem übrigen Radverkehrsnetz zu verknüpfen,
um neben dem gewünschten Bündelungseffekt auch die Feinverteilung auf
hohem Niveau zu ermöglichen. Die Premiumrouten der KielRegion sind durch
hohe Qualitätsstandards in der Trassenführung, der Ausgestaltung, der Netz-
verknüpfung und der begleitenden Ausstattung gekennzeichnet. Die Landes-
hauptstadt Kiel hat bereits ein Netz von Premiumrouten beschlossen, das in
die Region erweitert werden kann bzw. mit entsprechenden Schnittstellen
auszustatten ist. Für die beiden Kreise wurden fünf von Kiel ausgehende Po-
tenzialkorridore für weitere Untersuchungen identifiziert. Die Route um die
Kieler Förde mit einem ersten Abschnitt am Ostufer (Werftstraße) und der
Korridor Kiel – Preetz – Plön erhalten dabei die höchste Priorität.

Masterplan Mobilität (2017), Seite 35

Man findet dazu auch einen Abschnitt im Green City Plan, Seite 120. Und es gibt ein PDF der Präsentationsfolien von Jens Kruschwitz (Tiefbauamt Kiel) mit dem Titel „Werftstraße – Ostküstenpremiumroute„.

Das Wichtigste zuerst: Die neue Premiumroute bringt keinen neuen Radweg für den oben fotografierten Abschnitt. Auch weiterhin wird dort in Zukunft Rad- und Fußverkehr auf der rechten Seite Richtung Innenstadt verboten bleiben. Aus der Präsentation:

Bauabschnitte der Werftstraße
Baubaschnitte der Werftstraße

Diese zwingen die Radfahrenden die Spur zu wechseln.

Der Abschnitt, den ich fotografiert hatte, liegt hinter dem Ende des 4. Bauabschnitts (Bei der Straße „Zur Fähre“). Der fotografierte Abschnitt ist aber an der Ecke zum „Gaardener Ring“. Um aber zB geradeaus weiterzufahren bis zum Schwedendamm, werden Radfahrende an dieser Stelle die Ampel auf die linke Seite überqueren müssen. Oder einen größeren Umweg fahren über den Gaardener Ring.

Ich bin eh skeptisch, was Premiumrouten angeht. Dieses Beispiel zeigt aber wieder, wie oft in Kiel an sich gute Projekte nicht zu Ende gedacht werden. Sämtliche Bauabschnitte verfügen bereits über Radwege auf beiden Seiten. Nur der Abschnitt, der keinen Radweg hat, bekommt weiterhin keinen.

Ich persönlich hatte bisher kein größeres Problem mit dem Abschnitt, der jetzt Premiumroute werden soll. Verbesserung: Ja, gerne. Aber wichtiger ist mir, dass ich überall mit dem Rad fahren kann. Und nicht wie hier ein Fahrverbot oder wie in Gaarden insgesamt vollkommen unzumutbar/unbefahrbar.

Diese Route erscheint mir eher die Interessen der Bewohner*innen des Kieler Nordostens im Blick zu haben und weniger die Interessen der Gaardener*innen. So, wie es halt IMMER ist.

Aber die Politik und Verwaltung lieben solche Projekte, wie die „Gaardener Brücke“ (vergleiche dazu auch vorangegangenen Artikel), die nicht wirklich etwas verbindet, oder eine Premiumroute, die im Nichts endet. Am Gaardener Ring gibt es dann noch nicht einmal eine Querung, um auf der anderen Seite weiterzufahren. Es gibt eine, wenn man zurückfährt zur Kieler Straße (ist aber nicht ausgeschildert), die ein Unfallschwerpunkt ist. Aber eine Ampel oder Tempo 30 werden dort abgelehnt.

Es ist mal wieder ein Fall von „halb leer“ oder „halb voll“. Im weiteren Verlauf, wenn man auf das Westufer möchte, gibt es derzeit auch noch große Schwierigkeiten. Offiziell ist der Ernst-Busch-Platz nicht für Fahrräder passierbar. Defakto ist es aber die wichtigste Ost-West-Verbindung für das Rad.

Es fehlt bei der Stadt Kiel immer noch an einem grundlegenden Verständnis über Wege, oder welche dicken Bretter man bohren müsste. Lieber abgegrenzte Projekte machen, anstatt vernetzt planen. So wie auch bereits die „Veloroute 10“ oder das „Holstenfleet“. Der Planungsansatz bestimmt schon das Ergebnis.

Diese Ecke zwischen Ost und West ist schon sehr entscheidend für die Weiterentwicklung der Stadt und natürlich auch Gaarden. Aber bisher gibt es noch zu wenige Ansätze es richtig anzubinden. Es gibt Projekte wie zum alten Postgelände (das Verbesserungen verspricht). Aber es hängt dann dennoch weiter in der Luft, weil doch recht isoliert. Ursache ist die autogerechte Straßenführung, die dringend gewendet werden muss.