#MarketCities (Wochen)märkte in Städten

Quelle: https://pxhere.com/en/photo/617112

Wochenmärkte in Deutschland sind bedroht. Bisher wurden sie als selbstverständlich betrachtet, aber sie werden durch verschiedene Entwicklungen bedroht, wie zB den Mangel an Nachwuchs (Artikel zur Situation in Hamburg). Auch die Reduzierung der Standflächen durch mehr Parkplätze stellt eine Bedrohung dar, da durch ständige Abgase auch die Attraktivität eher ab- als zunimmt.

In Kiel hat man die Bedeutung der Wochenmärkte bisher gar nicht erkannt. Es gab immer mal wieder Anfragen , wie zb DIESE (Drucksache 0878/2015 ) aus dem Jahr 2015. Aber man merkt wie wenig Verständnis hier für die Mechanismen vorhanden ist. Letztlich wird ein Wochenmarkt eher passiv betrachtet als Markt, den die Stadt durch eine Satzung reguliert, aber an sich nichts dafür tut. Hier ein Beispiel:

Manche Vorschläge wie z.B. eine durch die Stadt als Veranstalterin organisierte Werbung oder ein ausgebauter, laufend zu aktualisierender Internetauftritt konnten bislang aus dem Gebührenhaushalt nicht finanziert werden bzw. hätten einen zusätzlichen, nicht gedeckten Personalbedarf ausgelöst bzw. wären nur durch Gebührenerhöhungen finanzierbar. Der Aufwand für eine Internetpräsentation wäre wegen der großen Anzahl von Wochenmärkten und des häufigen Wechsels bzw. der teilweise unregelmäßigen Teilnahme der Marktbeschicker/innen deutlich aufwendiger als in Kleinstädten wie z.B. Eckernförde. Aus dem Kreis der Marktbeschicker/innen gab es keine Initiativen, dies selbst zu organisieren.

Es gibt in den USA große Städte, die ganz selbstverständlich für ihre Wochenmärkte werben.

Eine gute Initiative sind u.a. die „Market Cities“ die 7 Prinzipien zusammengestellt haben, für eine „Market City“. Etwas sehr Wichtiges ist dabei, dass Kommunen aktiv nach neuen Verkäufer*innen suchen und für die Wochenmärkte werben.

Aber wie man oben sieht, ist es da eher Erbsenzählerei – da wird erwartet, dass die Website sich aus den Gebühren finanziert.

Ich hatte dazu auch ein Ergebnis in Kiel-Gaarden. Dort ist der Wochenmarkt extrem geschrumpft von ca. um 2000 als nicht alle Interessent*innen Platz fanden bis heute, wo es nur noch 2-3 professionelle Stände gibt und einige kleine Stände, die nur minimal Gemüse offenbar aus dem eigenen Kleingarten anbieten (also sowas wie Frühlingszwiebeln).

An einer Sitzung des Ortsbeirates hatte ich vorgetragen, dass man da endlich aktiv werden müsste, wenn der Wochenmarkt erhalten bleiben sollte. Der Ortsbeiratsvorsitzende Levtzow wischte das mit dem „Argument“ vom Tisch, dass er da ja schon seine Wurst kauft und wenn alle das machen würden, gäbe es das Problem nicht. Der Rest des Ortsbeirates hatte dazu nichts hinzuzufügen.

Das ist so eine typisch deutsche Einstellung zu vielen Dingen: Es war immer so, wir müssen nichts ändern. Wenn es anders wäre, wäre es anders. OK? …

Sicher ist es nicht nur Sache der Politik, sondern auch der Marktbeschicker*innen. Aber die scheinen oft genug mit ihren eigenen Problemen zutun zu haben. Es fehlt an Kundschaft und am Angebot. Und wenn nichts passiert, könnten Wochenmärkte vollkommen aus dem Stadtbild verschwinden. Und wenn sie erst mal weg sind, wird ein Neustart schwierig. Aber man scheint aktuell, nicht nur in Kiel, lieber dem Untergang zuzusehen, als eingreifen zu wollen?

„Market Cities“ sind aus meiner Sicht ein wichtiger Punkt, ebenso wie die Kunst, schöne Plätze zu schaffen (Place Making). Eine Stadt darf nicht nur verwaltet werden, sondern muss gestaltet werden. Aber nicht einfach nur durch Anlage von Parkplätzen, sondern eben auch gerade die Verkehrswende muss organisiert werden und der Raum in Städten radikal neu verteilt. Bisher ist man da, auch in Kiel, weil von entfernt. Es gibt einige gute Ansätzen und Gedanken, aber wir sind da bestimmt 30 Jahre hinter einer internationalen Entwicklung hinterher. Wo wird leider stets noch das Gleiche reproduziert. Und jede Initiative und Änderung führt eher zu mehr Widerständen.