
Die LINKE in Schleswig-Holstein: Umfragen und Chancen zur Landtagswahl
Für die LINKE in Schleswig-Holstein war die Landtagswahl 2022 bisher ihr Tiefpunkt mit nur 1,7 Prozent. Mittlerweile hat sie sich nicht nur bundesweit erholt, sondern auch in Schleswig-Holstein.
Aktuelle Umfragewerte (INSA & BSW-Vergleich)
Aktuell wird sie nach einer Umfrage von INSA/BILD bei 7 Prozent gesetzt 1. Dort erscheint das BSW nicht einmal in den Umfragen, dass 2025 in SH noch bei 3 Prozent in Umfragen stand. Schauen wir auf die letzte Bundesweite Umfrage vom 17.10.26 so sehen wir, dass die LINKE in SH schlechter abschneidet: Bundesweit kommt die LINKE auf 11 Prozent und das BSW auf 4 Prozent. Im Vergleich zu anderen Bundesländern liegt sie in Umfragen in einem Mittelfeld.
Strukturelle Schwächen der Nord-LINKEN
Traditionell ist die LINKE in unserem Bundesland eher inhaltlich, bei Kandidat:innen und bei Wahlen eher schwächer. Selbst Spitzenkandidat:innen verschwinden oft nach ihrem Antritt für immer in der Versenkung.
Für die nächste Landtagswahl 2027 scheint bislang ein Wiedereinzug in den Landtag Schleswig-Holstein wahrscheinlich aber nicht sicher.
Die Spitzenkandidat:innen 2027
- Johanna Klitzschmüller
- TAZ vom 23.9.26: Johanna Klitzschmüller will Schleswig-Holsteins Linke als Spitzenkandidatin wieder ins Parlament bringen. Sie startet aber mit einem Stolperer.
Beim Parteitag votierten nur knapp 76 Prozent der Delegierten für Klitzschmüller,
- Finn Luca Frey
Frey erhielt rund 95 Prozent Zustimmung
Wahlprogramm und Positionen der LINKEN zur Landtagswahl 2027
“5 Prozent plus X”, geben die Spitzenkandidaten als Ziel für die Landtagswahl aus. Sollte das gelingen, wird die Linke wohl ihren Platz in der Opposition suchen. “Wir sind Oppositionspartei”, sagt Spitzenkandidatin Klitzschmüller. Der Landesvorstand unterstützt beide Spitzenkandidaten. Eine Regierungsbeteiligung schließt Co-Landessprecherin Jana Lemke kategorisch aus.
Ich muss für mich sagen: Parteien, die auf keinen Fall (mit)regieren wollen kann ich als Option bei einer Wahl nicht ernst nehmen. Opposition ist es dann, wenn nicht mehr möglich ist. Wer das kategorisch ausschließt, warum sollte man die wählen? Und ist das aus heutiger Sicht eine Kritik an den Berliner LINKEN, die mit SPD und GRÜNEN zusammen regieren wollen?
Die Frage Israel und Palästina
In Deutschland geht es aktuell wegen des angestrebten Bündnisses unter der Führung der Linkspartei in Berlin hoch her zum Thema Palästinasolidarität und Antisemitismus. Meine Haltung ist dazu, dass man das versuchen sollte nüchtern zu analysieren. Und es wird auch bei der nächsten Landtagswahl in Schleswig-Holstein ein Thema im Wahlkampf werden.
Der Jugendverband der Linksjugend SH hatte im April 2026 eine stark antizionistische Stellungnahme beschlossen. Ein Bekenntnis zum Existenzrecht Israels lehnen sie ab
Klitzschmüller äußerte sich gegenüber der taz so:
„Wir haben im Landesverband klare Beschlüsse – wir sind solidarisch mit Palästina, lehnen aber jeden Antisemitismus ab.“
Wichtig ist dabei auch der Streit der Definitionen und auch der „Jerusalemer Erklärung“, die 2021 verabschiedet wurde (siehe den Beitrag des Deutschlandfunks)
Ich würde mich zu den Fragen nicht als Experten bezeichnen, aber ich habe mich schon mit vielen Fakten beschäftigt. Generell finde ich es oft auffällig wie wenig Konflikte auf der ganzen Welt Thema sind und wie oft es sich nur um Israel und Palästina geht. ZB gab es viele Opfer in Konflikten wie Sudan, Südsudan und dem Kongo - aber offenbar interessiert das nur Wenige?
Wenden wir mal den Drei-D-Test zu dem Beschluss der Linksjugend an. Wobei hier vermerkt sei, dass die Linksjugend nicht identisch mit der Landespartei ist:
- Dämonisierung: Die israelische Regierung wird mit Terrororganisationen auf eine Stufe gestellt und nicht mit Begriffen wie Genozid, Vernichtungsfantasien und Völkermord gespart
- Doppelstandards: Der Beschluss fordert ein Ende des „Ethnonationalismus“ und lehnt die Definition Israels als jüdischer Staat ab. Einen Doppelstandard stellt dies dar, weil die Linksjugend das Prinzip des Nationalstaats hier exklusiv bei Israel angreift.
- Delegitimierung: Die Linksjugend lehnt die Bezeichnung Israels als „jüdischen Staat“ und die Bezeichnung „Schutzraum für Jüdinnen und Juden“ Die fundamentale „Ablehnung des Zionismus“ und des jüdischen Charakters des Staates ist der Versuch Israel seine historische und völkerrechtliche Basis zu entziehen
Alle drei Kriterien werden erfüllt und damit würde man das Statement als israelbezogen antisemitisch einstufen. Was die Landespartei angeht gibt es eine ausgesprochenen Solidarität mit Palästina, nicht aber gegenüber Israel. Würde man beides erkennen, würde man wenigstens einen Zwiespalt erkennen.
Hier hat die Linkspartei eindeutig Handlungsbedarf, denn ihre Stellungnahme vom Mai 2026 hat noch Luft nach oben.
Ich denke generell gibt es auch ohne antisemitisch zu werden viele Möglichkeiten an der Politik in Israel. Was die Linksjugend veröffentlicht hat ist für mich eindeutig antisemitisch und kann so nicht stehenbleiben. positionieren Außerdem, wie man an meiner Abarbeitung sieht, nehmen solche Positionierungen auch wieder viel Zeit und Energie und lenken von wichtigeren Themen, gerade in der Landespolitik, ab.
Weitere Positionen
- Bezahlbares Wohnen und Mietenstopp
- Soziale Gerechtigkeit, Entlastung und Steuerreform
- Öffentliche Daseinsvorsorge (Gesundheit, Bildung & ÖPNV)
Allerdings ist fraglich, wie seht man sich da mit einzelnen Forderungen im Detail beschäftigen sollte, wenn die LINKE in SH eine Regierungsbeteiligung ausschließt? Momentan gibt es auch noch kein Wahlprogramm. Fürs erste reicht dies als erster Eindruck, vielleicht wird sich die LINKE ja noch an mancher Stelle anders positionieren vor der Landtagswahl 2027?