Olympiaentscheidung in Kiel

Demokratie
Autor:in

Thilo Pfennig

Veröffentlichungsdatum

20. Februar 2026

Schlüsselwörter

Olympia, NOlympia, Schilksee, Olympische Spiele, Ulf Kämpfer, Olympisches Dorf, Olympiazentrum

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Olympic games and its impact on the society.

Olympic games and its impact on the society. (public domain)

Ab dem 9. März 2026 können die Kieler:innen in den Sofortwahlbüros darüber entscheiden, ob sich Kiel für die Olympischen Spiele 2036, 2040, 2044 bewirbt. Die Briefunterlagen können bereits jetzt angefordert werden. Der Wahltag ist dann der 19. April 2026.

Was ist bisher bekannt?

Die Segelolympiade soll im alten (Olympia)-Segelzentrum in Schilksee stattfinden. Dieses ist seit 2024 allerdings unter Denkmalschutz gestellt worden. Dieser Fakt wird bisher in der Debatte überhaupt nicht besprochen.

Die Stadt Kiel hat am 2.2.26 eine Kostenschätzung gegeben (Drucksache 0130/2026). Kurz gesagt sagt Kiel 10-15 Mio. Euro für das Olympiazentrum und 8 Mio. für das Olympische Dorf. Das ist, ohne dass das explizit so gesagt wird, aber der Restbetrag mit dem Kiel rechnet. Die Stadt sagt alle Zusatzkosten würde von dem „nationalen Olympiabudget“ bezahlt. Wenn man nach dem Begriff googlet, findet man keinen Treffer. Bislang gibt es nur Zusagen der Bundesregierung und des DOSB (Memorandum of Understanding) den Bewerbungsprozess zu unterstützen und sich ganz grundsätzlich für eine Durchführung der Olympischen Sommerspiele einzusetzen.

2015 wurden Standpunkte und Begründungen zusammengetragen von der Stadt Kiel zusammengetragen

Das Olympische Segeldorf, das Hotel und der Segelcampus werden zum Großteil privat finanziert. An den Kosten für die Durchführung der Olympischen Segelwettbewerbe in Höhe von ca. 33 Millionen Euro muss sich Kiel nicht beteiligen. Es verbleibt ein durch die öffentliche Hand zu finanzierender und auf das Jahr 2024 hochgerechneter Anteil für Investitionen von rund 123 Millionen Euro. Der Bund wird voraussichtlich einen wesentlichen Anteil dieser Kosten tragen. Der Schleswig-Holsteinische Landtag hat am 14. Oktober 2015 beschlossen, dass das Land die Stadt Kiel bei der Umsetzung der erforderlichen Infrastrukturmaßnahmen unterstützt. Die nicht vom Bund übernommenen Kosten tragen Land und Stadt Kiel anteilig gemeinsam. Vor diesem Hintergrund und angesichts der finanziellen Rahmenbedingungen des Stadthaushaltes geht das Finanzierungskonzept derzeit von einem Restbetrag in Höhe von ca. 30 bis 41 Millionen Euro aus, den Kiel aufbringen muss und kann. Dieser Be- trag würde sich auf mehrere Haushaltsjahre verteilen. Allerdings werden auch ohne Ausrichtung Olympischer Segelwettbewerbe in den nächsten Jahren umfangreiche Sa- nierungen, Modernisierungen und bauliche Weiterentwicklungen im Olympiazentrum in Schilksee notwendig. Der letztlich aus dem Stadthaushalt zu finanzierende zusätzliche „Olympia-Anteil“ wird daher auf rund 15 bis 20 Millionen Euro geschätzt

Kiel rechnete also mit 23-33 Prozent Anteil. Das erscheint realistisch und wir können das vielleicht einfach übernehmen.

Die Aufzählung der Faktoren wird auch deutlich: Geld für die Stadtbahn ist hier, anders als zuvor ins Spiel gebracht, nicht dabei. Insofern sieht das eher nach einer kleinen Lösung aus, nicht wie also in der gerne zitierten Olympiade 1972 mit Autobahnanschluss, Alter Markt, ZOB uvm.

Seit 2015 Inflation von rd. 23 Prozent. Damit wären die Gesamtkosten bei 151 Mio Euro. Als zusätzliche Herausforderung besteht, dass das Olympiazentrum Schilksee seit 2024 unter Denkmalschutz steht. Erfahrungswerte sagen, dass der Umbau dadurch zwischen 30-70% teurer werden kann. Und die Kostenüberschreitungen bei Olympiaden liegen bei 172 Prozent (Quelle (Flyvbjerg, Budzier, und Lunn 2020)).

Daraus würde sich dann ergeben:

  • Die Kosten für das Olympiazentrum lägen eher zwischen drei und 7 Mio. teurer.

  • Ausgehend von also 154 Mio oder 158 Mio. Euro die Kostenüberschreitungen:

    • 265 Mio. Euro minimale Gesamtkosten

    • 272 Mio Euro maximale Gesamtkosten

  • Daraus würde sich für Kiel eher ein Anteil ergeben zwischen 61 und 90 Mio Euro.

Und die Angaben, die die Stadt aktuell macht, scheinen eher identisch mit 2015 und ohne Berücksichtigung von Denkmalschutz, Inflation und möglichen Kostenüberschreitungen zustande gekommen zu sein. Seriös erscheint das nicht.

Wird Kiel Kiel wieder JA-Sagerin?

2015 beteiligten sich 31,7 Prozent an der Abstimmung und 65,5 Prozent sagten ja. Ich denke die Chancen für ein JA sind nach wie vor größer als für ein NEIN. Das liegt unter anderem an folgenden Faktoren:

  • Also NOlympia-Aktivist kann ich berichten, dass ich es die letzten zwei Jahre nicht geschafft habe Menschen und Organisationen zu motivieren, sich frühzeitig zu engagieren. Die LINKS-Partei hat erst im Februar ernsthaft damit begonnen sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Aber auch sie hatte und hat kein Interesse an einem NOLympia-Bündnis, wie es diese in vielen anderen Städte gibt

  • Bund, Land, IHK, Kieler Yacht-Club, etc. - im Gegensatz dazu besteht seit Jahren ein breites Bündnis von JA-Sagern bereit, die auf allen Kanälen Werbung machen.

  • In einer Online-Umfrage der Kieler Nachrichten waren nur knapp über 50% der Kieler:innen JA-Sager.

  • Rein subjektiv nehme ich dieses Jahr mehr Leute wahr in meinem Umfeld, die aus Überzeugung dagegen sind oder eher die Absicht haben, zur Abstimmung zu gehen.

  • Dies liegt auch sicher an dem vergangenen Jahr mit der Haushaltssperre und harten Einschnitten der Kultur, Kürzungen überall. Man hat nicht das Gefühl sich die OIympiade leisten zu können.

Meine Prognose wäre daher, dass es bisher eher so aussieht, als wenn die Kieler:innen wieder zustimmen. Meine Hoffnung wäre dass es “nur” in den 50ern sein wird und weniger als das letzte mal. Und persönlich würde es mich sehr freuen, wenn der Stadtteil Gaarden, dieses mal knapp dagegen stimmen würde, als knapp dafür. Bereits 2015 war Gaarden der Stadtteil mit der geringsten Zustimmung, Siehe Wahlbericht:

Bei nur 13 Prozent Wahlbeteiligung. Mit nur wenig mehr NEIN-Stimmen könnte Gaarden klar dagegen stimmen. Es wäre damit ein gutes Argument gegen Olympiaden, von denen Gaarden vermutlich am wenigsten profitieren würde, sondern eher Geld abgeben müsste! Denn hier wird immer als erstes gespart, dabei gäb es hier so viel zu verbessern!

Abstimmung ab 9./10.3.

Ab 10.3. sind die Sofortwahlbüros in Kiel auf. Nähere Infos unter www.kiel.de/wahlen!

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Literatur

Flyvbjerg, Bent, Alexander Budzier, und Daniel Lunn. 2020. „Regression to the Tail: Why the Olympics Blow Up“. arXiv. https://doi.org/10.48550/ARXIV.2009.14682.

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