Weiter in einer Serie zu Alternativen. Heute zu Social Media, letztes Mal war es zu KI. Ich selbst habe das Web fast von Anfang an genutzt. Also 1991 war der erste Tag des WWW. Ich war ab 1995 online. Insofern hat man auch einen anderen Blick, wenn man Vieles miterlebt, sogar noch mit Gopher Informationen gesucht. Siehe dazu auch als Exkurs:
Ich will nicht sagen, dass man dahin zurück muss. Aber ich glaube man hat eine andere Perspektive, wenn man es noch kennt, dass man nicht “always on” ist. Und dann gab es Compuserve oder auch AOL und alles sollte auf einmal (1999) ganz einfach sein:
So wurde das Internet von einem militärischen Netwzerk, über ein wissenschaftliches Netzwerk und dann Hacker/First movern zu etwas für ALLE. Und dann auch kombiniert mit Millionen von (oftmals) Windows und Apple Usern. Ein Eldorado für Silicon Valley und Kriminelle, die mit der Naivität und der Erwartungshaltung von “einfachem” Internet das schnelle Geld machen wollten. Dann kam die Dot-Com-Blase und ihr Zusammenbruch. Auch an den Börsen. Weil der Widerspruch zwischen Erwartungen und Realität zu groß wurden.
Enshittification
Einiges blieb. 2003/2004 erlebte mit MySpace und Facebook Social Media seinen Aufstieg. Es bediente im Grunde Bedürfnisse der Menschen als “soziales Tier”. Neugier, Gossip, Menschen kennenlernen, kommunizieren. Aber gerade mit Facebook entstanden große Gatekeeper. Also die Frage: Weḿ gehört das Netz? Wem gehören unsere Daten? Aber da sagten Viele: Ist doch egal, ich will bei FB sein! Cory Doctorow hat dafür den Begriff “Enshittification” popularisiert:
Enshittification beschreibt einen Prozess, bei dem digitale Plattformen – wie soziale Netzwerke, Streaming-Dienste oder Online-Marktplätze – schrittweise die Qualität und Nutzerfreundlichkeit ihrer Angebote verschlechtern, um kurzfristige Profite zu maximieren.
Typischerweise beginnt es mit der Anlockung von Nutzern durch attraktive, oft kostenlose oder nutzerfreundliche Features. Sobald die Plattform eine dominante Marktposition erreicht hat, werden die Bedingungen für Nutzer schrittweise verschlechtert: durch aufdringliche Werbung, bezahlte Priorisierungen, Einschränkung von Funktionen oder die Einführung von Abo-Modellen.
Am Ende leiden die Nutzer unter einer schlechteren Erfahrung, während die Plattform ihre Monopolstellung ausnutzt, um Gewinne zu steigern – oft auf Kosten von Inhaltsqualität, Datenschutz oder Fairness.
Cory Doctorow hat zB ein Profil @doctorow bei Mastodon. Einem Twitter/X-Ersatz:
Solution
Ich möchte nicht zu viel über Instanzen wie Instagram oder Tiktok sprechen. Generell versuchen sie eben, User einzusperren, sie nutzen ihre Daten, um KIs zu trainieren, sie arbeiten mit Faschisten zusammen und sind fundamental antidemokratisch. Mit ihren Algorithmen fördern sie oftmals den Dissenz und Parteien wie die AfD oder bei uns Medien wie WELT TV. Netzwerke von Milliardären, denen es lieber ist, wenn wir uns gegenseitig zanken, wärhend sie unsere Demokratie mit Geld beeinflussen. Alles andere also als unabhängige und neutrale Medien. Es gäbe auch viel zur Medienlandschaft zu sagen. Zu Medienkonzernen und zum Öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Aber nicht heute und nicht hier.
Der Kern ist eigentlich der, dass wir unser Leben nicht Miliardären vertrauensvoll in die Hände legen sollten, die gegen unsere Interessen handeln. Die uns mit Werbung beeinflussen. Die geholfen haben, den Brexit herbeizuführen und Trump zur Macht verholfen haben. Es geht hier wirklich um Grund- und Menschenrechte und den Erhalt unserer Demokratie!
Die Lösung ist, Plattformen zu benutzen und zu betreiben, die vielfältig sind und “uns” gehören. Um das im großen Stil zu machen, ohne dass es Nachteile gibt, dass man an Limits kommt, muss man auf föderierte System setzen.
Das Fediverse
Das Fediverse hat seinen Ursprung vor allem mit dem Projekt StatusNet (später GNU Social), das 2008 gestartet wurde. Es war eine der ersten dezentralen Mikroblogging-Plattformen, die auf dem OStatus-Protokoll basiert, einem Vorläufer des heutigen ActivityPub-Standards.
Die Technik dahinter ist dabei gar nicht so entscheidend. Es geht nur darum, dass verschiedene Systeme/Instanzen miteinander reden und Daten austauschen. Das heißt es bedarf nicht mehr des EINEN GROSSEN Servers. Und damit sinkt auch das Risiko der Abhängigkeit, oder der Möglichkeit, dass Diktaturen und Geheimdienste Inhalte sperren und Dissidenten verfolgen.
Wer jetzt glaubt, dass wir in unserer Demokratie solche Probleme nicht haben, dem möchte ich doch den Blick in die USA empfehlen, wo inzwischen Journalisten verfolgt werden. Und die Demokratie am Abgrund steht. Eine AfD-Bundesregierung in Deutschland wird jedes Jahr wahrscheinlicher. Und wir wissen, was sie von freier Meinungsäußerung und Demokratie halten.
Die heutigen Alternativen heißen zB:
Mastodon statt Twitter/X/Bluesky (wobei Bluesky zwar auch kompatibel zum Fediverse ist, aber dennoch zentralistisch ist)
Pixelfed statt Instagram (ich komme zB seit einer Woche auch gar nicht mehr in Instagram rein, vermutlich weil ich einen sicheren Browser verwende)
PeerTube statt Youtube
Es gibt noch viel mehr Systeme und es wird vielleicht in naher Zukunft auch ganz andere Systeme geben.
Pixelfed
Für alle, die meinen sie sein voll abhängig von zB Instagram empfehle ich einfach schon mal einen Pixelfed-Account anzulegen:
Einfach schon mal einen Account sichern und herumprobieren. Es ist im Kern heute eher das, was Instagram am Anfang war: Ein Netzwerk, um seine Fotos zu teilen. Aber natürlich auch mehr als das. Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber mich langweilt Instagram schon immer. Ich nutzte es mehr, um meine eigenen Inhalte zu verbreiten und kaum zum lesen. Und aktuell gibt es viel Werbung und alle wetteifern da um Aufmerksamkeit. Noch vor wenigen Jahren kannte noch niemand Instagram. Es ist alles eine Frage der Eigendynamik. Heute gibt es noch nicht viele Organisationen und Influencer, die da aktiv werden. Aber mit dem weltweiten Ausbreiten des Faschismus wird das sicher anders. Und wie gesagt. Ausprobieren schadet nicht. Diese Nachricht wendet sich aber am ehesten an die, die schon eh ein komisches Gefühl bei Instagram haben und nur nach einer Alternative suchen. Vielleicht ist für euch selbst HEUTE noch nicht der Tag, aber morgen. Vielleicht weil ihr etwas erlebt auf Instagram und fliehen wollt.
PeerTube
PeerTube soll die YouTube-Alternative werden. Es eignet sich heute schon dazu, eigene Videos hochzuladen. Hier gilt Ähnliches wie für Pixelfed. Erwartet nicht, dass es genau so funktioniert wie Youtube. Es ist nicht so clean und eher chaotisch. Und der Algorithmus empfiehlt euch nicht unendlich viel Musik, die dem entspricht, was ihr schon gehört habt und “geliked” habt. Aber ich denke, es ist eine gute Alternative für Videoproduzent:innen, denen ihre Unabhängigkeit wichtig ist. Man weiß, es gibt auf YouTube viele (unberechtigte) Strikedowns wegen Urheberrecht. Aber ihr könnt hier auf dem Instanzen kein Geld verdienen. Da müsst ihr schon via Paypal oder Patreon oder Vergleichbares gehen.
Mastodon
Mastodon ersetzt Twitter/X/Bluesky. Mastodon ist die ausgereifteste Alternative. Vielleicht auch, weil es im Kern auf Textnachrichten setzt. Es ist aber voll kompatibel mit Pixelfed und PeerTube! Das ist das Schöne. Du kannst auf Mastodon auch Videokanäle auf PeerTube abonnieren und kommentieren. ZB sind mittlerweile glaube ich fast alle deutschen Universitäten auf Mastodon. Ich kann da auch eigentlich kaum einen Unterschied erkennen. Es funktioniert nahezu identisch. Und auch gerade in Kiel ist die Szene sehr aktiv. Und auch findet ihr mich auch Mastodon. Meine Instanz ist jetzt norden.social und aktuell bin ich da sehr zufrieden. Ach ja, man darf auch immer mal spenden!
Fazit
Es GIBT Alternativen. Wie schon gesagt, vielleicht ist das auch nichts für Jede:n. Was auch möglich ist als Organisation: Eigene Instanzen betreiben! So hat es zB das Bundesland Schleswig-Holstein gemacht: https://social.schleswig-holstein.de/about
Und als Tiktok-Alternative entsteht gerade Loops!





