Andreas Galka: Verkauftes Grün

Demokratie
Autor:in

Thilo Pfennig

Veröffentlichungsdatum

13. Februar 2026

Schlüsselwörter

Prüner Schlag, Möbel Kraft, Möbel Höffner, Andreas Galka, Ludwig Verlag, Peter Todeskino, GRÜNE, Kleingärtnerverein von 1897 e.V., Busbetriebshof, KVG, WIR in Kiel

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Buchcover

Schon länger wusste ich, dass Andreas Galka an einem Buch zur Ansiedlung von Möbelmärkten auf dem Prüner Schlag schreiben würde. Ich hatte durch meinen Blog ja auch nebenbei eine kleine Chronologie durch Blogbeiträge dokumentiert. Aber da war der Möbel Kraft-Konflikt nur einer von Vielen. Wir waren die letzte Zeit aber im Dialog, da er mich bat einige meiner Artikel im Archiv zu reaktivieren, die im Zuge meiner Blogumstellung noch offline waren.

Hier noch mal der Ort an dem das Ganze spielt:

Das Inhaltsverzeichnis ist in 2011-2021 unterteilt. Es gibt aber auch einige Updates bis 2025 in dem Buch.

Ich würde das Buch eigentlich allen empfehlen, die in Kiel politisch oder umweltmäßig in Kiel aktiv sein wollen. Denn es dokumentiert eine wichtige Episode in Kiels Geschichte. Eine Geschichte von Hoffnung, enttäuschten Versprechungen und vom Scheitern.

Hier mal einige Artikel, die ich damals schrieb:

Andreas betreibt auch das Blog Parzelle 556 Prüner Schlag, Kiel | Geld oder Leben. Da kann man auch ein wenig in der Vergangenheit lesen.

Das Buch ist sehr detailreich und minutiös, geradezu wissenschaftlich. Es enthält auch zahlreiche Fotos vom Zustand der Fläche/Gärten, Plakaten und Flyern. Durch den Detailreichtum wirkt es irgendwann auch etwas repetitiv. Es ist eben weder ein Roman, noch eine unterhaltsame Betrachtung der Vergangenheit. Darum hat es seinen Wert genau so, wie es geschrieben hat. Aber die Zeit hätte sicher mehrere Bücher verdient.

Ich selbst habe das ganze meist mit Abstand betrachtet. Ich war bei einem der ersten Treffen im Kleingärtnerverein von 1897 e.V. dabei. Die Gartenfreunde hatten da aber die Haltung, dass sie jetzt von LINKEN und WIR in Kiel wissen wollten, wer ihnen denn am meisten Hilfe versprechen konnte. Meine Haltung damals war damals eigentlich mehr, dass die Gartenfreunde sich primär selber organisieren müssten und auch ehrlich ihre Grenzen benennen. Leider nehme ich es bis heute oft war, dass Menschen, Betroffene in einer Appellationshaltung verharren, in erlernter Hilflosigkeit. Unfähig zum Widerstand. Und so kam es, wie es kommen musste: Die Gartenfreunde und die Möbel-Kraft-Gegner spalteten sich, so mancher Pächter nahm dann, verständlich einfach das Geld, um seine Parzelle an den Konzern zu verschachern. Letztlich gab es eben nie eine große solidarische Bewegungen zwischen Kleingartenvereinen. Es gab Desinformationskampagnen der Stadt und des Krieger-Konzerns. Die Gegner:innen waren unvorbereitet. Und es wr auch so, dass Parteien (LINKE) und Wählervereinigung (WIR in Kiel) auch eher schauten, wie sie propagandistisch das Thema für sich und den Wahlkampf nutzen konnten.

Und man hat auch die Kieler insgesamt falsch eingeschätzt. ich glaube sogar, dass man den damaligen Bürgerentscheid hätte gewinnen können, wenn die Bewegung weniger fringe gewesen wäre, weniger gespalten und überzeugendere Argumente gefunden hätte. Es reicht eben nicht zum Erhalt der Natur ökologisch saubere Argumente anzuführen. Das Plakat und das Motto war ja schon ganz vielversprechend damals:

Präsentation der Plakate

Bild aus der SHZ, 8.3.14

Aber die Kampagne muss dazu passen. Man muss den Gegner:innen zu Gute halten, dass es das erste Bürgerbegehren war. Aber meine Wahrnehmung ist, dass es heute nicht wirklich besser ist in Kiel. Da kämpft jede Bubble für sich. Und wenn auf der Gegenseite eine Krieger-Konzern ist und ein Bürgermeister Todeskino und die Stadt und sonst alle anderen Parteien, die wegschauen bei offenen Fragen, dann ist es sehr schwer zu gewinnen. Dann kam noch Ex-OB Torten Albig dazu, der sich aus der Landespolitik einmischte und eine Kieler Nachrichten die, ja auch über Gegenargumente berichtet, aber dann doch oft zu nah an der offiziellen Linie der Stadt Kiel war nach dem Motto: “Arbeitsplätze, alles andere ist egal!”

Und wenn man eine Oberbürgermeisterin wie Susanne Gaschke hat:

Ein älterer Herr beschrieb seine Frustration am Mikrofon, dass ihm sein Kleingarten genommen wird, den er seit 50 Jahren gepflegt hat. Frau Gaschke sagte zu ihm, dass ihr das persönlich für ihn ja sehr leid tut, aber das Kleingärten ja generell nur eine ZWISCHENNUTZUNG sein würden. Das bedeutet sie betrachtet Kleingärten lediglich als Steinbruch für eine andere, gewinnbringendere Nutzung. Ich denke selbst wenn man für eine Umnutzung von Kleingärten ist - auch im Falle des Möbel Kraft-Geländes, ist es doch noch ein größerer Schritt Kleingärten einen Wert an sich vollkommen abzusprechen und zu propagieren alle Kleingärten bei Bedarf platt zu machen.

Frau Gaschke machte an diesem Abend jedenfalls deutlich, dass sie kaum die Kandidatin ist, die sich jemals für Kleingärten einsetzen würde.

(aus meinem Artikel Enttäuschende Debatte vom 23.10.2012)

Für die GRÜNEN war diese Geschichte jedenfalls der große Bruch mit großen Teilen ihrer Wähler:innenschaft. Eine große Entfremdung setzte ein. Die GRÜNEN rückten in die Mitte und ließen dabei die Umweltbewegten im Stich. Auch sie dachten, dass sie mehr gewinnen könnten, wenn sie in dasselbe Horn stießen, wie auch CDU oder SPD: Arbeitsplätze, Wirtschaft, Natur brauchen wir nicht.

Jedenfalls geht es mir seitdem immer, wenn ich Artikel der Kieler GRÜNEN sehe, wo sie für Naturerhalt werben, dass ich denke “ihr lügt, ihr habt 18 Hektar verscherbelt für 2 blöde Möbelmärkte!”

Angeblich konnten wir in Kiel ja vorher keine Möbel kaufen.

Jedenfalls stand ich auch an einigen Samstagen (war es November 2013?) am Vinetaplatz in der Kälte, um mühsam Unterschriften zu sammeln. ich sprach einfach ALLE an. In Gaarden hast du dann das Zusatzproblem, dass 50% dir sagen, dass sie nicht abstimmen dürfen weil sie keine deutsche Staatsbürgerschaft hatten.

Plakat Möbel Kraft

Plakat Möbel Kraft 2014

Das Ergebnis des Bürgerentscheides war knapp aber es kam dann doch zur Ansiedlung. So manches Bedauern aus der Politik aufgrund von Verzögerung und der Spaltung der Stadtbevölkerung kam dann zu spät. Kiel war und ist davon traumatisiert.

Zum Beispiel ist ein neuer Betriebshof der KVG geplant, wo wieder eine Vernichtung von Kleingärten geplant ist.

Angeblich gäbe es sonst keinen Platz in Kiel. Wenn man beobachtet hat, wie lange die Hörn und das Postgelände in Gaarden leer standen, fragt man sich, warum man jetzt erst auf die Idee kommt, wenn große Flächen bereits bebaut sind.

Es gibt also wieder momentan diese Kommunikation, das natürlich alles alternativlos ist. Und das Kleingärten keinen Wert an sich hätten?

Haben wir wirklich gar nichts gelernt?

Andreas Galka, Verkauftes Grün, 268 Seiten, 2 S/W- und 60 Farbabbildungen,
Broschur, 14,8x21cm, ISBN: 978-3-86935-490-3 - Preis 25 €

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