In großen Schritten nähert sich Kiel dem Datum des Bürgerentscheides. Am 25. März ist zB noch ein KN-Talk im Autohaus Süverkrüp, deren Aufteilung der Talkgästen recht einseitig verteilt ist. Zum einen muss man wissen, dass der Senior Fritz Süverkrüp für die graue Eminenz der Kieler Wirtschaft und der Kieler IHK steht, dessen Präsident er von 1984-2004 er war.In Kiel sind die Süverkrüps nach eigener Auskunft in der fünften Generation Unternehmerfamilie.
So sind beim Talk die Befürworter:innen (👍) und Gegner (👎) verteilt:
👍 Ulf Kämpfer (Oberbürgermeister)
👍 Magdalena Finke (Innen- und Sportministerin)
👍 Stephan Brause (DOSB-Leiter Olympiabewerbung)
👍 Barbara Ostmeier (Präsidentin Landessportverband)
👍 Paul Kohlhoff (Segler und Olympia-Bronze-Gewinner)
👍 Prof. Dr. Jens Flatau (Professor für Sportsoziologie und Sportökonomie an der CAU)
👎 Björn Thoroe (Vorsitzender der Kieler Ratsfraktion Die Linke/Die Partei)
👎 Eckart Maudrich (Sprecher NOlympia Hamburg)
Also 6 Jo! zu 2 Nö! NOlympia Kiel wurde nicht zum Talk zugelassen. Wenn man den Ort noch dazuzählt und die relativ positive Berichterstattung der Kieler Nachrichten, vielleicht sogar ein noch stärkeres Missverhältnis. Immerhin gibt es hier im Gegensatz zur vorangegangenen Veranstaltung der Friedrich-Naumann-Stiftung in der IHK überhaupt Gegner auf der Bühne.
Ich habe dann dennoch vor, anwesend zu sein, auch wenn ich nicht reden darf.
Fakten Fehlanzeige?
Die Stadt Kiel hatte Informationen zum Bürgerentscheid verschickt. Darin wird jede von lediglich weniger als neuen Millionen Euro an Kosten gesprochen.
Zwar hatte die Stadt Kiel nur wenige Tage vorher bereits bei einem Ortstermin öffentlichs schon von 65 Millionen Euro gesprochen. Aber die Stadt Hamburg nennt weitere Millionen für den Umbau des Holstein-Stadions und der Wunderino-Arena in ihrem Sportstättenkonzept (PDF). Aber all das wird verschwiegen. Ebenso wird zwar damit geliebäugelt, dass man ja auch eine neue Brücke über den Nord-Ostsee-Kanal bekommen könnte und die Stadtbahnanbindung, aber über die Kosten wird nicht gesprochen.
Außerdem behauptet Kiel wahrheitswidrig, dass der Bund alle Zusatzkosten aus einem ominösen “Nationalen Olympiabudget” bekommen würde. Aber so läuft das nicht! Austragend sind die Städte, Bund und Land beteiligen sich mit einem festen Betrag, alle Mehrkosten tragen normalerweise die Städte!
Sportbegeisterung
Die Sportministerin des Landes Magdalena Finke hofft auf mehr Sportbegeisterung in Schleswig-Holstein. Wenn man nachforscht, findet man zwar, dass es da temporäre Effekte in anderen Sommerspielen gab. Aber oft kamen die durch Zusatzprogramme, die NACH den Spielen aufgesetzt wurden, also NICHT Teil der Olympiade waren. Ich bin sicher, dass die einen oder anderen Jugendlichen durch die Bilder begeisterungsfähig sind. Wobei die Frage ist, ob sie dies nicht wäre, wenn die Olympiade an einem anderen Ort auf der Welt stattfinden würde.
Also wenn man etwas für den Sport tun will, könnte man zB Schulsportstätten sanieren. Ich kenne da auch einen Basketballplatz am RBZ Technik. Ich war da als ein Schüler und ein Elterntel beim Ortsbeirat Gaarden vorsprachen. 2024 wurde gefragt, niemand wollte zuständig sein. 2025 war der Platz immer noch nicht repariert. Wir müssen gar nicht von Olympia faseln und Sportförderung, wenn die Sportinfrastruktur und Plätze verrotten und wir können nicht immer nur auf eine Olympiade warten, die kommt oder auch nicht. Und soviel ich von Expert:innen gehört habe, werden Schulsportstätten nicht aus Olympiakosten saniert.
Woher kommt die Begeisterung für Olympia?
Ich will jetzt mal ein wenig einen Seitenweg einschlagen, weil mich schon seit Jahren die Begeisterung gerade aus der Wirtschaft, Politik, Sport und auch Wissenschaft überrascht. Ich bin gerade zufällig aber auch in die Philosophie der Poststrutkuralist:innen abgetaucht und da findet man z.B. bei Deleuze/Guattari und Foucault doch einige Hinweise, die das Ganze nicht simpel mit Ehrgeiz oder kapitalistischem Interesse begründen, sondern dass sich ein Dispositiv (ein strategisches Gefüge aus Macht, Wissen, Institutionen und Praktiken) formt, dass darum bemüht ist, sich gegenseitig zu stärken. Dafür ist eine Bewerbung für eine Olympiade ideal geeignet, um diese Kräfte an einen gemeinsamen Tisch zu bringen. Der Benefit ist es, Teil des Dispositivs zu werden. Dadurch wird auch die Stadtgesellschaft gespalten.
So wie es mir passierte, als ich die Ratsversammlung um Informationen bat. Siehe Artikel Der Miesepeter aus der Einwohneranfrage, 18.07.2025. Denn wir können feststellen, dass für viele Befürworter:innen gar kein finanzieller Profit erwartbar ist. Es geht also weder um Gewinn noch um Korruption. Es ist die Mikrophysik der Macht. Es bietet mehr Vorteile mit zu spielen und sich eindeutig zu positionieren, als sich als Mahner:in darzustellen oder den ganzen Zirkus zu hinterfragen.
Man findet das auch bei anderen Themen wie bei der Atomkraft oder pro Verbrennerautos: Mit Vernunft oder Geld verdienen ist das nicht erklärbar. Da laufen Mechanismen ab, da laufen Poltiker:innen hinter irgend einem Thema hinterher. Da muss dann unbedingt das Heizungsgesetz weg oder Abschiebung ohne Sinn und Verstand.
Das Gegensteuern fällt schwer, weil durch die Gravitation ja eben auch Autohäuser und Tageszeitungen und Fernsehsender Teil des Dispositiv werden und bewusst oder unbewusst Kritik ausschließen, weil die als gefährlich gelten. Da zB KielKontrovers und NOLympia Kiel nicht einfach eingebunden werden konnten, wurde ihnen verboten am Diskurs teilzunehmen. Uns bleibt nur das Internet und Social Media. Nch können wir darüber kommunizieren. Und natürlich auch das persönliche Gespräch.
Wie es weiter geht
Leider ist die LINKE in Kiel in ihrer Kritik zu harmlos und berechenbar und damit eher Teil des Systems. Ich sehe aber durchaus, dass es uns In Kiel schon gelungen ist Zweifel zu säen und neue Diskurse anzustoßen. Momentan bin ich optimistisch, dass es besser endet in Kiel als 2015. Aber wir werden sehen.
