SoLaWi: Solidarische Landwirtschaft ist keine Lösung

Autor:in

Thilo Pfennig

Veröffentlichungsdatum

12. März 2026

Schlüsselwörter

Landwirtschaft, SoLaWi, Antroposophie, Biolandbau, Marktwirtschaft, Kapitalismus, Lebensmitteleinzelhandel

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Solidarische Landwirtschaft (SoLaWi) gilt bei manchen als Modell für neue Art der Bewirtschaftung und Finanzierung von Landwirtschaft. Doch was ist wirklich dran?

Was ist SoLaWi?

Die heutige SoLaWi leitet sich primär von Ideen der anthroposophischen, biodynamischen Landwirtschaft ab. Die SoLaWi übernahm deren “ganzheitlichen” Ansatz, die Betonung der Gemeinschaft in der Landwirtschaft und das Ziel einer vertrauensvolle Beziehung zwischen Landwirt:innen und Verbraucher:innen. Viele SoLaWi-Betriebe sind auch Demeter-Betriebe. Die Kernpunkte der deutschen SoLaWi sind:

  • Ernteanteile statt Warenkauf: Mitglieder erwerben Anteile an der Ernte und erhalten im Gegenzug saisonale, frische Lebensmittel – unabhängig von Ertragsschwankungen.

  • Transparenz: Offene Einblicke in Anbau, Produktion und Hofabläufe stärken das Vertrauen zwischen Landwirt:innen und Mitgliedern.

  • Aktive Mitgestaltung: Möglichkeiten zur Erntehilfe oder Hofmitarbeit fördern die Gemeinschaft und ermöglichen teilweise vergünstigte Mitgliedschaften.

  • Ökologischer Anbau: Solawis arbeiten nach strengen ökologischen Richtlinien (z. B. Demeter, Bioland) und verzichten auf synthetische Düngemittel oder Pestizide.

  • Lokale Distribution: Die Ernte wird über Mitglieder in regionalen Depots verteilt – kurz, frisch und ohne lange Transportwege.

Kritik an der SoLaWi:

…ist die Konkurrenz für kleine Bioläden

Eingangstür Bioladen (BioGaarden Kiel 2018)

Kleiner Bioladen BioGaarden 2018

Es wird oft gesagt, SoLaWi wäre die Alternative zu Discountern und Supermärkten. Doch SoLaWi bieten fast ausschließlich Bioprodukten und die großen Bioketten wie Alnatura oder Denns spielen in einer anderen Liga. Letztlich ist dieser Distributionsweg primär eine Konkurrenz für (kleine) Bioläden und Einkaufskooperativen, die auf ihre Art eine andere Wirtschaft leben wollen. Die Betriebe wollen den Zwischenhandel weitestgehend ausschließen und über einen Direktvertrieb einen höheren Anteil des Verkaufspreises zu erzielen, der sonst an Bioläden und Großhandel geht.

… bedeutet, dass mehr Arbeit ehrenamtlich erledigt wird

Vom Acker bis zum Kochtopf ist immer die gleiche Art von Arbeit oder Weg nötig. Die SoLaWi ersetzt bezahlte Arbeit durch ehrenamtliches Engagement und nutzt statt Ladenräumen Privaträume. Wo Bioläden Ladenflächen mieten und beheizen müssen und Personal bezahlen und versichern, stellen SoLaWis häufig einfach Kühlschränke. Den Transport an diese Lager oder Verteilpunkte erledigen auch die Mitglieder.

Auch beim Ernten werden Lohnkosten gespart, auch wenn die Arbeit der Mitglieder weniger effizient ist und die zusätzliche Anleitung wiederum Ressourcen im Hof bindet.

… erscheint nicht als Modell einer besseren Landwirtschaft

Das System ist nicht auf etwas Größeres skalierbar und ist elitär. Die Ernteanteile sind auch für viele mit geringerem Einkommen nicht finanzierbar. Eine neue und bessere Landwirtschaft muss aber zwingend skalierbar sein. Insofern ist sie kein Vorbild, an dem sich viele oder alle orientieren können.

… löst nicht das Problem dass Agrarflächen zu Spekulationsobjekten werden.

Zwar kann SoLaWi die wirtschaftliche Lage und Planbarkeit der Betrieb verbessern, aber hier können nur wenige Betriebe profitieren. Viele Finanzmittel bleiben in den Betrieben und werden nicht solidarisch eingesetzt um Agrarflächen anderswo zu erwerben. Anders als zB das Ackersyndikat.

Wenn Solawi Bioläden überflüssig macht, trägt sie auch dazu bei, dass statt einer nachhaltigen Struktur und Lagerhaltung die auch Arbeitsplätze schafft, eine private Struktur an die Stelle tritt, die auf Ehrenamt und Freiwilligkeit basiert.

Das System, dass die Mitglieder einen fixen Anteil bekommen und damit auch Produkte, die sie evtl. nicht konsumieren verlagert den Verlust durch Nicht -Verkauf vom Betrieb (und auch den Bioläden) auf die Privathaushalte. Die Ausgaben dafür sind relativ hoch, der Schwund und Verschwendung Zuhause steigt aber, weil die Leute weniger genau das kaufen, was sie brauchen. Das ist aus Sicht der Privathaushalte nicht nachhaltig. Allerdings wird dennoch über die Verteilerstruktur Ware verteilt, die nicht genutzt wird. Es erscheint auch fraglich, wenn unternehmerisches Risiko auf Familien und Einzelpersonen abgewälzt wird.

… ist für einzelne Betriebe eine Teillösung, aber nicht für die Branche

Das Prinzip von Solidarität ist an sich aber positiv. Auch das Landwirtschaft Unterstützung und Fläche braucht. Nur scheint das ganze nicht zu Ende gedacht und nicht gesamtwirtschaftlich betrachtet, sondern wieder eine Lösung für einzelne Betriebe.

… ist Luxus für Besserverdienende

Für Menschen mit geringem Einkommen werden dadurch Lebensmittel nicht erschwinglicher. Es ist damit auch ein eher ein Lifestyle, der zur aktuellen Zeit passt. So wie Apps wie To Good To Go oder Bambusfahrräder.

Fazit

SoLaWi ist extrem ideologisch aufgeladen un für viele ein sehr emotionales Thema. Dieser Artikel ist der Versuch einiges an Kritik, die ich als ehemaliger Bioladen-Betreiber mit Einblicken in die Landwirtschaft und Öko-Szene erworben habe. Dabei lernte ich viel über Anbau und Handel und die Schwierigkeiten des Bio-Lebensmitteleinzelhandels.

Kritik an den SoLaWis ist eher selten, häufiger findet man eine romantischer Verklärung. Ich betrachte dieses Konzept eher als Ablenkung, da es nicht wirklich gut verallgemeinerbar ist. Positiv ist es für einzelne Betriebe, aber eben aus einer klassisch-kapitalistischen Sicht, also die eigenen Kosten minimieren und Gewinne maximieren. Vermittelt wird das Ganze dann aber als ein unkommerzielles Konzept. Was auch Teil des Marketings ist.

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