Olymiaabstimmung 2026: Weitere Seltsamkeiten

Demokratie
Autor:in

Thilo Pfennig

Veröffentlichungsdatum

3. April 2026

Schlüsselwörter

Olympia, NOlympia, Olymiabewerbung, NOlympiaKiel, Umfrage, Bürgerentscheid, IHK

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Joa Nö! Mülleimer in Gaarden und Gummibärchen von JO! (Fotomontage)

Joa Nö! Mülleimer in Gaarden und Gummibärchen von JO! (Fotomontage)

KN-Talk und die Umfrage

Der KN-Talk zur Olympiade war so einseitig, wie man erwarten konnte. Allerdings gab es im Nachgang einige Aufregung darum, weil Noch-Oberbürgermeister Ulf Kämpfer behauptete, in einer repräsentativen Umfrage von infratest/dimap wäre herausgekommen, dass die Mehrheit der Kieler:innen FÜR Olympia wären. Das kam überraschend und hat er recht schnell gesagt, nachdem die KN verkündete, dass in einer Onlinebefragung mehr als 54 Prozent DAGEGEN wären. Die eigene Umfrage versteckte die KN nun ihre Umfrage und titelte lieber:

Umfrage: Große Mehrheit in Kiel wünscht sich ein „Jo“ zur Olympiade

Umfrage: Große Mehrheit in Kiel wünscht sich ein „Jo“ zur Olympiade

Allerdings hatte die Befragung, die Kämpfer zitierte mehrere schwerer Probleme:

  1. Die Umfrage wurde vom DOSB nicht bei infratest/dimap, sondern bei dimap in Auftrag gegeben
  2. Unter 18-jährige wurden nicht befragt. Aber in Kiel dürfen schon 16-Jährige an Bürgerentscheiden teilnehmen
  3. Alle, die in der Umfrage gesagt haben, sie haben noch nicht vor zur Wahl gehen, wurden bei dem JA und NEIN künstlich herausgerechnet.
  4. Sowohl KN als auch Stadt Kiel behaupten nach wie vor, die Umfrage würde ALLE Kieler:innen repräsentieren.

Diese Umfrage ist also definitiv nicht repräsentativ. Nicht ein mal für die Wahlberechtigten. Trotz meines Hinweises, haben die Stadt Kiel als auch die Kieler Nachrichten sich geweigert, die Studie zurückzuziehen wegen schwerster methodischer Mängel.

Lediglich den Namen des Institutes änderte die Stadt auf meinen Hinweis hin.

Dies steht aber auch exemplarisch für den nett ausgedrückt sehr lockeren Umgang mit der Wahrheit in allen Bereichen.

SPD verteilt JO!-Gummibärchen

Plakat OLYMPIA - Was ist deine Meinung? An einem Infostand der SPD in Gaarden hatte diese kein eigenes Material zu bieten. Ich war aus Spaß vorbeigegangen und ich kenne die SPD’ler ja aus Gaarden auch aus anderen Zusammenhängen (und da kommen wir auch miteinander klar). Daher wusste sie schon, dass ich gegen Olympia bin. Daher waren sie an meiner Meinung weniger interessiert ;-) , sondern eher damit beschäftigt, die Gummibärchen der IHK und der KYC zu verteilen. Ich finde das ganz ehrlich aber schon bitter, wenn die SPD sich das von der IHK abhängig macht unter einem SPD-Pavillon.

Hamburg wirbt in Kiel

Olympia Plakat der Stadt Hamburg an einer Bushaltestelle

Olympia Plakat der Stadt Hamburg an einer Bushaltestelle

An unzähligen Bushaltestellen in Kiel wirbt die Stadt Hamburg für ein JA bei dem Bürgerentscheid. Da STRÖER als Werbeunternehmen auch Sponsor ist, wäscht da vermutlich eine Hand die andere. Ströer ist ja höchst umstritten und die Verlängerung des Monopols steht in Kiel zur Debatte. Aber vielleicht verhilft dieses Schmiergeld ja dazu, das Monopol zu behalten ?

Weitere Kosten? Müssen wir nichts zu sagen!

In der KN vom 2. April war mir folgendes Zitat aufgefallen:

Foto Axel Bauerdorf

Axel Bauerdorf

. „Der Unterschied zu den Hauptaustragungsorten ist, dass wir Details aktuell gar nicht benennen müssen“, sagt Axel Bauerdorf, Sportreferent der Landeshauptstadt Kiel und Geschäftsführer der Kieler Sportstätten- und Stadiongesellschaft. „Das würden wir im zweiten Schritt für die deutsche Bewerbung beim IOC tun, wenn der Zuschlag für Kiel wirklich da ist. ”

Das heißt also. Denen ist vollkommen bewußt, dass alles viel, viel teurer wird. Aber solange sie das dem IOC nicht melden müssen, erzählen sie uns Kielern, dass die Kosten genau so gering sind, wie im Infomaterial zum Bürgerentscheid angegeben. In Hamburg wird zu den Kosten der Sicherheit genau so wie in Kiel auch Null Euro angegeben. In Hamburg führt das dann dazu, dass man sich einen Gewinn von 100 Millionen ausrechnet. Denn die Milliarden für Sicherheit tauchen nicht in der Rechnung auf. Sie sagen man könnte das seriös nicht angeben, was Sicherheit 2036 kostet. Okay, Prognosen sind schwer, aber eins kann ich euch sagen: Mehr als 100 Millionen. Es werden auch Milliarden sein, also selbst nach optimistischer Rechnung von Hamburg käme es so oder so zu einem Verlust.

Fazit: Fake News und keine Transparenz

Hörn mit JO-Fahnen

Fahnen

Das Ausmaß an Desinformationen und das Fehlen jeglicher Transparenz erreichen wieder mal einen Level, wo einem die Lust auf Politik vergeht. Statt von Anfang an klar die Kosten und die Risiken zu kommunizieren, streut man den Wähler:innen Sand in die Augen.

Es ist sehr schwierig da ohne Geld gegenan zu kommunizieren, auch besonders wenn die Medien da nicht nachfragen. So schrieb mir ein Redakteur der KN:

Ich gehe da sehr stark von einem Missverständnis zwischen DOSB und Stadt/Land aus und habe keinerlei Zweifel an der Seriosität des Meinungsforschungsinstituts dimap bzw. der Echtheit der vorgelegten Zahlen.

Eine Bereitschaft, den reißerischen Titel zu ändern, nachdem sich herausstellte, dass die Umfrage nicht repräsentativ war, gab es nicht.

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