
Trotz der Bemühungen der Stadt wurde der Abend nicht zu einem furiosen Olympiafiebertraum. Mit 29,1 % beteiligten sich noch ein mal weniger Menschen als 2015 an der Entscheidung zu Olympia.
Monatelang hatte man aus alle Rohren auf die Bevölkerung geschossen. Unisono trommelten alle von Ströer über die Stadt Hamburg, der IHK, dem Kieler Yacht Club, der Kieler Nachrichten und viele mehr für ein JA zur Olympiade. Im Endergebnis habt man die Kieler:innen aber noch mehr von der Politik entfremdet. Viele Umfragen deuten an, dass sich die Kieler:innen oft nicht informiert fühlten. Vielleicht auch der Grund, warum viele sich kein JA zutrauten und lieber zuhause blieben. Zum Vergleich: Bei der OB-Wahl vor kurzem waren es noch 43,5 Prozent.
Gaarden sagt NEIN
Und ein Stadtteil sagte mit geringer Wahlbeteiligung von lediglich 12,1 % mehrheitlich sogar NEIN mit 51,5 %. Olympia hat, wie ich befürchtet habe, Kiel mehr in Gewinner und Verlierer gespalten. Die Abgehängten gingen entweder gar nicht zur Wahl oder stimmten der Bewerbung nicht zu. Denn sie wissen, dass sie am wenigsten von einer Bewerbung etwas haben. Bereits in den letzten Jahren hat man als erstes in Gaarden den Rotstift angesetzt. Warum sollten sie also JA sagen?
Wie geht es weiter?
Das Ergebnis ist nicht der erhoffte Rückenwind für eine Bewerbung als Co-Austragungsort. Und für Hamburg ist es insofern ein günstiges Vorzeichen, dass wenn sich die Ablehnung in Kiel noch erhöht hat, auch für Hamburg keine Trendumkehr zu erwarten sein dürfte. Hamburg entscheidet erst am 31. Mai 2026. Auch letztes mal sagte Kiel JA und Hamburg NEIN. Das Kieler Ergebnis macht Olympiagegnern in Hamburg Hoffnung, dass es anders als in München keinen Sinneswandel geben wird.
Auch angesichts multipler Krisen und der Erfahrung mit dem katastrophalen G20-Gipfel braucht Hamburg alles andere als eine Olympiade. Auch wenn diese erst in einigen Jahren wäre.
In Köln zeichnet sich auch ein knapperes Ergebnis ab. Insgesamt scheint die Stimmung in Deutschland wenig Begeisterung für eine Sommerolympiade. Vielleicht ist eine Olympiade auch eher was für Diktaturen. Die sind es gewohnt die Meinung der Bevölkerung zu ignorieren. Wir sollten uns daran kein Vorbild nehmen uns stattdessen darauf konzentrieren, bestehende Probleme zu lösen und unsere Städte lebenswerte zu machen, anstatt nur wenige Wochen in einem Jahr ein Megaevent zu veranstalten.