
“Wohnen als Thema
Das Interesse am Themen Wohnen hat sich nicht wirklich erhöht, wenn wir den Daten von Google Trends glauben dürfen:
Daten
Das Interesse am Thema war um 2012 am Höchsten. Heute hat sich das Interesse an dem Thema fast halbiert. Zwar nahm der Zubau an Wohnungen seit 2012 zu, konnte aber mit der gestiegenen Nachfrage nicht mithalten. Seit 2024 nimmt der Bau wieder angesichts gestiegener Baukosten und Zinsen ab.
Die Lücke der fehlenden Wohnungen hat sich seit 2012 unter dem Strich vergrößert. Gerade bei den Sozialwohnungen gab es einen Rückgang, besonders dadurch das viele aus der Sozialbindung fielen. Die Maßnahmen der Politik reichen nicht, das Problem in den Griff zu bekommen.
Ein Problem ist auch, dass die Ansprüche der Menschen gestiegen sind. Das heißt eine Person oder eine Familie möchte heute mehr Quadratmeter bewohnen als noch in den 50er Jahren. Und deomgraphisch gibt es mehr Single-Wohneinheiten, die tendenziell auch mehr qm pro PErson brauchen.
Situation in Kiel
In Kiel gibt es eine sehr geringe Leerstandsquote und auch hier werden zu wenige neue Wohnungen gebaut. Auch im ersten Quartal sind die Mieten in Kiel leicht gestiegen.
Ähnliches gilt für Immobilienpreise. Siehe dazu den Graf von Engel & Völkers:

1999 wurde die die stadteigene Wohnungsbaugesellschaft (KWG) in der Hochzeit des Neoliberalismus und Börsenbubble für umgerechnet lediglich 125 Millionen Euro verkauft. Das war in der Zeit des ersten frei gewählen Oberbürgermeisters Norbert Gansel.
Damit gab fast jegliche Möglichkeit der Gestaltung des Wohnungsmarktes aus der Hand und vor allem wurden diese Werte dm freien Markt zu einem Schleuderpreis übereignet. Ein Entscheidung, die erst 2019 versucht wurde mit Gründung der KiWoG zu korrigieren, die aber natürlich erst mal wieder bei Null anfangen musste.
Es ist dabei verblüffend, dass Kiel überhaupt keine aktuellen Konzepte hat. Es gibt auf einer Seite zum Wohnen auf kiel.de zB einen masterplan Mobilität, der aber auch schon 11 Jahre alt ist und wenig an Konzepten enthält.
Laut einer Studie (siehe HEMPELS-Artikel vom November 2025 fehlen in Kiel 6.300 Wohnungen und in den nächsten Jahren müssten 1.500 neue Wohnungen (also bis 2021) gebaut werden. 980 Wohnungen würden leer stehen.
Hier eine Grafik zu der Entwicklung des Wohnungsbestandes in Kiel aus dem Sozialbericht 2025 der Stadt Kiel

Insgesamt ist es wie auch bundesweit so, dass zwar mehr Wohnungen entstehen, aber bei weitem nicht ausreichend für den eigentlichen Bedarf. Dies gilt vor allem für Sozialwohnungen, deren Bestand nach wie vor sinkt.
Insgesamt ist nicht zu erkennen, dass die Stadt Kiel den Ernst der Lage erkannt hätte. Jedenfalls ist das meine Interpretation der Tatsache, dass es überhaupt keine aktuellen oder umfangreichen Pläne gibt, der schon seit Jahren andauernden Krise zu begegnen. Und: Nein, ich denke nicht, dass die 2.250 Wohnungen am MFG5 der große Durchbruch gewesen wären. Einerseits weil zentrumsfern und auch weil die geplante Wohnraumdichte noch geringer gewesen wäre, als an der Hörn. Währenddessen stehen in Gaarden zwei Mehrfamilienhäuser komplett leer, die von zwei Bränden betroffen waren. Aber die Stadt sieht keinen Handlungsbedarf. Hier könnten in wenigen Tagen oder Wochen zig Wohnungen wieder in Betrieb genommen werden, wenn man es denn nur wollte.
