Instagram und kleine Organisationen

Technologie
Autor:in

Thilo Pfennig

Veröffentlichungsdatum

13. Juni 2026

Schlüsselwörter

Instagram, Pixelfed, Social Media, Meta, Fediverse

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ssteinbr: Foto Mann mit Hund

Quelle https://www.flickr.com/photos/ssteinbr/49441088071 ssteinbr CC BY-SA 2.0 Some rights reserved https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/deed.de

2026 ist Instagram fast synonym mit Social Media. Da ist dann nur noch TikTok. Facebook scheint abgemeldet. In diesem Artikel beschäftige ich mich eingehender mit Instagram und dem Meta-Konzern aus dem Blickwinkel von kleine bis mittlere Organisationen, die Öffentlichkeitsarbeit machen wollen. Also zwischen 1-50 Personen. Manche Argumente und Erkenntnisse sind vielleicht auch für größere Organisationen oder Firmen übertragbar, aber nicht meine primäre Zielgruppe

Vielleicht muss man eine größeren Bogen spannen und bei Öffentlichkeitsarbeit im Allgemeinen anfangen. Und im weiteren verwende ich das “Du” und “Ihr”. Du bzw. Ihr habt also entweder ein Anliegen oder eine oder mehrere Veranstaltungen, um die ihr euch kümmert. Ihr wollt also bestimmte Menschen erreichen:

Wir wissen, früher gab es noch nicht ein mal Internet bis Anfang der 90er Jahre. Aber dennoch gab es sogar große Organisationen mit entsprechender Reichweite. Es ging also auch anders. Und auch heute gibt es eben auch Printmedien, Radio, Fernsehen und der direkte Auftritt, Werbung, Mundpropaganda.

Als nächstes kamen Medien wie E-Mail und Foren(Usenet), erst später das World Wide Web und Blogs und Newsletter. Social Media begann erst so ab dem Jahr 2000, mitten in der Dot-Com-Blase, Bands mussten auf MySpace sein. Oder es gab Studi-VZ für Studis. Und dann Facebook. Ohne das ging es nicht. Dann Twitter, usw.

Social Media und Hype gehörten also auch immer zusammen. Auch der Aufstieg und Fall von Portalen. Die wechselten immer wieder die Besitzer:in. Und damit wurden auch die User verkauft und deren Daten.

Zum Meta-Konzern hatte ich ja bereits in einem früheren Post einiges geschrieben: Facebook, Instagram, Threads, WhatsApp. Überall sammelt der Konzern Daten. Erst kürzlich hatte er in eine Brille Code integriert, die eine automatische Gesichtserkennung durchführen konnte: WIRED.COM: Meta Silently Added Face-Recognition Code for Its Smart Glasses to Millions of Phones . Also sie ertappt wurden, haben die den Code schnell entfernt. Firmen wie Meta zählt an zu den Techno-Faschisten. Sie halfen den Rechtsradikalen den Brexit in Großbritannien durchzuführen mit gezielter Propaganda - und sie verhalten Donald Trump zum ersten Wahlsieg 2016. Die Tech-Bros, die wie Zuckerberg dann auch zur erneuten Wahl Trumps eingeladen waren wollen ein anderes Amerika, eine andere Welt. Eine neu Art Faschismus, bei dem die Milliardäre die Welt steuern.

Und einer dieser Firmen gehört also Instagram. Darüber muss man sich klar sein als kleine Organisation, auf welcher Plattform man sich befindet. Hat diese Plattform eine neutrale oder positive Haltung gegenüber euren Anliegen? Instagram ist:

Das ist deren Agenda, die ihnen hilft, Macht zu erobern oder zu behalten. Es geht darum Menschen und Nationen gegeneinander auszuspielen. Hass funktioniert zB wunderbar auf Social Media. Zuckerberg hat angekündigt und umgesetzt in den USA weniger bis gar nicht mehr gegen Hassrede vorzugehen. Leidtragende sind u.a. Frauen, Transmenschen und Minderheiten.

Vielleicht ist nur wer all das Obenstehende toll findet, auf Instagram richtig. Denn alle anderen müssen gegen Metas Agenda anarbeiten. Zum Beispiel werden immer weniger “organische Beiträge” angezeigt, also die, die ohne Werbung abgeschickt wurden. Die Follower erhalten eher mehr Werbung und bezahlte Beiträge und oft nicht die Beiträge der Accounts, denen sie folgen.

Das heißt das Produkt Instagram liefert nicht das, was von ihm erwartet ist. Aber die meisten nutzen es auch umsonst, ODER sie zahlen auch selbst.

Als Einblick: Wir haben als Kulturinitiative Gaarden auch 2023 mit Instagram gestartet. Auch aus der Überlegung heraus, das uns bis dato niemand kannte. Und wir haben auch ab und zu Werbung geschaltet, um unsere Veranstaltungen und Aktionen zu bewerben. Sicher sind wir dadurch am Anfang schneller bekannt geworden.

Wobei sich die Entwicklung schnell verschlechtert hat. Und was bedeuten heute Follower, wenn diese oft nicht mal deine Beiträge sehen und stattdessen von Großkonzernen wie ESSO oder Coca-Cola?

Die Organisation und die Öffentlichkeit

Vor der Nutzung von bestimmten Social Media, steht ja die Organisation als Solches und ihr Verhältnis zur Öffentlichkeit und auch zu ihren Mitgliedern oder Angestellten. Dazu gehört auch die Mission und die Werte, die die Grundlage für zB die Gründung oder die Existenzberechtigung der eigenen Organisation bilden.

Also warum wenden wir uns an die Öffentlichkeit? Was wollen wir erreichen? Welche Message wollen wir vermitteln? Welche Mitstreiter:innen suchen wir? Was sind deren Werte? Welche Ziele haben wir? Wo wollen wir hin?

Dazu dann auch: Welchen Aufwand wollen und können wir für die Öffentlichkeitsarbeit betreiben und wer soll diese Arbeit machen?

Bei der Auswahl der Werkzeuge und Portale geht es auch um Kosten und die Effektivität. Und wie viele User sowohl theoretisch als auch praktisch erreichbar sind.

ZB erreicht man mit Instagram theoretisch und praktisch nur die Internetuser, die auch tatsächlich User auf Instagram sind. Für User außerhalb sind diese quasi nicht oder nur schlecht abrufbar. Im Gegensatz zB zu Webseiten oder Seiten des Fediverse (Pixelfed, Mastodon, PeerTube), deren Inhalte theoretisch für ALLE lesbar sind, aber praktisch natürlich nur für die, die sie auch abrufen.

In Deutschland gibt es 2026 ca. 70 Millionen Internet-User von denen ca. 45 % Instagram nutzen. Und von denen nutzen ca. 75% geschätzt jede Woche Instagram und sind dadurch überhaupt wöchentlich erreichbar. Damit kommen wir auf 24 Millionen theoretischer User. Das wäre dann jede:r Dritte im Internet. Die Mehrheit, also Zwei-Drittel der Internetuser werden über Instagram gar nicht erreicht!

Der Instagram-Algorithmus und die langfristige Wirkung

Viele Posts, die ihr auf Instagram macht, erreichen immer seltener eure eigenen Follower, weil Instagram stattdessen bezahlte Posts zeigt. Dazu kommt, dass nach 48 Stunden alte Posts kaum noch neue Views bekommen. Dafür wenden User dann diverse Methoden an, wie Reels, um die Nachricht noch mal wieder zu pushen.

Ansonsten sehen vielleicht 500 Follower nach viel aus, aber am Ende sehen viele dieser Follower eure neuen Posts gar nicht mehr. Insbesondere wenn Leute viel Content abonniert haben.

  • Direkte Reichweite: 50 bis 100 Personen (typische organische Algorithmus-Reichweite von 10–20% bei kleinen Accounts).
  • Netzwerk-Reichweite: +20 bis 50 Personen durch Interaktionen (Likes, Shares), falls der Algorithmus den Post im Entdecken-Feed ausspielt.
  • Plattform-Effekt: Der Post bleibt strikt innerhalb von Instagram gefangen. Wer kein Instagram nutzt, sieht den Post in der Regel nicht.

Unterm Strich erreicht man mit Instagram mit der Beispielorganisation auf Instagram-Only so in einer Woche ca. 75-150 Personen.

Website + Newsletter + Pixelfed/Fediverse als Alternative

Wenn man als Alternative eher auf die Kombination aus einer eigenen Website setzt, die mit Pixelfed (59 Follower) verknüpft und einem Newsletter mit 30 Abonnentinnen ergeben sich daraus realistisch ca. 55-130 User in der ersten Woche. Und jede Woche verbessert sich das Gleichgewicht hin zum Fediverse1.

Wenn ihr Pressearbeit macht, so ist es auch einfach Artikel auf einer Website und zusätzliches Bildmaterial zu deponieren, als auf einen Instagram-Post zu verweisen. Denn auf Instagram werden Größen enorm beschnitten. Und das Design ist begrenzt. Wenn es einen Fehler im Post gibt, kann man den nur löschen oder lassen. Das ist für Links die rausgehen extrem schlecht.

Im Vergleich haben wir aktuell also VIELLEICHT 20 Menschen weniger in der ersten Woche. In einem Monat werden Abrufe aber auf Pixelfed weiter wachsen, während ein Insta-Post nach einem Monat quasi tot ist. (Die realen Zahlen können deutlich abweichen, das sind bisher lediglich Vermutungen basierend auf Studien und Erfahrungswerten)

Dazu kommt der finanzielle und personelle Aufwand: Wer auf Instagram auffallen will , muss investieren. Das sind dann schon ein paar hundert Euro pro Jahr. Diese Ausgaben holen sich manche Organisationen über Projektförderungen herein. Aber je nach Förderumfang ist es dennoch eine Entscheidung in welche Werbung man investieren möchte. Und davon abgesehen erfordert Instagram für Posts und Werbung auch mehr Zeitaufwand, zB für die Menschen die Öffentlichkeitsarbeit machen. Und hier ist die Rechnung natürlich auch eine andere, wenn man Erträge durch Spenden oder Eintrittsgelder erwartet, als wenn eigentlich alles eher unkommerziell und ehrenamtlich läuft.

Instagram Verfehlungen

Neben den obigen sehr realen Punkten, die zeigen, dass Instagram unter dem Strich auch durchaus zu WENIGER Sichtbarkeit führen kann, gab es in der Vergangenheit vom Mutterkonzern Meta und Instagram diverse Verfehlungen, vor allem:

  • Beim Datenschutz
  • Aktuell intensiv die Nutzung von Userdaten durch Künstliche Intelligenz, teilweise auch ungefragt. Dies wird wiederum genutzt, um uns besser targetten zu können und unser Leben auszuforschen, unsere Verhaltensweisen und Freunde.
  • Die Nutzung durch sicherheitsverstärkte Browser wie LibreWolf ist ausgeschlossen. So kann ich mich zB in den Account von Instagram aktuell nicht mehr mit meinem Standardbrowser einloggen. Dies geht nur mit unsichereren Browsern wie Google Chrome.
  • Accounts von Kritiker:innen und politisch aktiven werden vermehrt gesperrt und Hate Speech zugelassen (verkehrte Welt!).
  • Instagram und TikTok können Depressionen und Vereinsamung verstärken, auch durch den Trend zu Sozialen Vergleichen. Schüler:innen, die ihre Nutzung von Social Media einschränken, lernen besser. Instagram versucht aber alles, um das Gegenteil zu erreichen. Es fördert passiven Konsum statt aktive Interaktion. Die Selbstwertgefühle sinken, gerade bei Minderjährigen. Unrealistische Erwartungen an sich selbst werden gefördert.

Empfehlung

Meine Empfehlung für kleinere Organisationen ist die, das wenn sie nicht absolut sicher wissen, dass sie Instagram brauchen, aber es ggf. schon registriert haben einfach erste Gehversuche mit Pixelfed machen. Einfach einen Account registrieren. Idealerweise mit dem gleichen Social Media-Kürzel wie bei Instagram. Und laden sie doch einige oder alle Kacheln zusätzlich auf Pixelfed hoch, folgen sie einigen Accounts, die interessant erscheinen. Vielleicht auch erst mal auf Verdacht.

Und machen sie so nebenbei Erfahrungen mit dem neuen Medium. Nutzen sie beim Text die Möglichkeiten auch direkt Webseiten zu verlinken (was bei Instagram verboten ist) . Teilen sie die Location zu dem neuen Account mit ihren Mitgliedern und bitten sie um Feedback, erklären sie ggf. auch ihre Gedanken dazu.

Also erst mal als Experiment betrachte und ab und zu etwas mehr Arbeit reinstecken, ggf. Beiträge mit vielen Links nur auf Pixelfed.

Hier ist ein Startpunkt: https://pixelfed.org/how-to-join

Zum Schluss

Es ließe sich noch viel mehr gegen Instagram sagen, aber das würde den Rahmen eines lesbaren Beitrags sprengen. Wichtig ist, dass ihr anfang nachzudenken und nicht einfach nur imitiert, was andere tun!

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Fußnoten

  1. Das Fediverse ist ein Netz aus verschiedenen Apps und Plattformen, die zueinander kompatibel sind.↩︎

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