
Quartiersgaragen sind eines der Instrumente, die in vielen Städte, auch in Kiel als Lösung für den Parkdruck gesehen werden. Aktuelle Entwicklungen zeigen, dass die zunächst widersprüchliche Tatsache auffällt, dass Menschen in Kiel weniger Auto fahren und gleichzeitig der Parkdruck steigt. Im zweiten Nachdenken ist es aber logisch: Wenn das Auto nicht bewegt wird, muss es ja stehen.
Siehe dazu auch https://www.kiel.de/srv (Mobilitätsverhalten in Kiel)
Das bedeutet eine Mobilitätspolitik, die Leute motiviert ihr Auto stehen zu lassen kann durchaus eine Erleichterung für den Straßenverkehr erreichen, aber schafft keinen Durchbruch für den Ruhenden Verkehr.
Auch bei Mobilitätsexpert:innen, Umweltverbänden und in der Politik gibt es daher die Überlegung, was wir denn mit den “zu vielen” Autos machen im Straßenraum. Daraus erfolgt dann die Idee, dass man neue Infrastrukturen schaffen muss, um diese aus dem Straßenraum zu entfernen, also zB in Tief- oder Privatgaragen. Oder eben gerade gehypte, die schon erwähnten Quartiersgaragen.
Siehe auch Vorbild für Hamburg? In diesem Bezirk soll das Parken revolutioniert werden MOPO vom 7. Oktober 2025.
Quartiersgaragen sind Parkhäuser oder Tiefgaragen, die auf die Bewohner des umgebenden Stadtbereichs (Quartier) und ihre Stellplatznachfrage ausgerichtet sind. Sie bieten den Bewohnern Parkmöglichkeiten für Kraftfahrzeuge, Fahrräder und sonstige Fahrzeuge, und bieten häufig auch darüber hinaus alternative Verkehrsangebote wie Car-Sharing.[1] In der Regel sind sie für die Bewohner des umgebenden Stadtbereichs fußläufig oder mit anderen Formen der Nahmobilität zu erreichen.
Nachteile von Quartiersgaragen
Die Kernidee ist also Platz im Straßenraum zu schaffen. Was die Quartiersgaragen allerdings nicht leisten ist:
- Die Anzahl der Automobile (im Quartier) zu reduzieren
- Generell eine Flächengerechtigkeit herstellen
Weitere Punkte, die man bedenken muss:
- Quartiersgaragen sind durchaus nicht günstig. Eine für 200 Autos kann zB bei 25.000 € pro Stellplatz fünf Millionen Euro oder mehr kosten. Und das gilt nur für EINE Quartiersgarage. Durch die Stadtbahn sollen auch Parkplätze verlager werden. Gehen wir mal davon aus, dass die nächsten Jahre 10 Quartiersgaragen, dann wären das alleine schon 50 Millionen.
- Hier handelt es sich dann aber eher um monofunktionale Garagen. Das heißt hier geht nur Parken und sonst nichts.
- Modernere Konzepte fürs Parken schlagen vor, dass es keine reinen Parkhäuser oder Quartiersgaragen mehr gibt, sondern dass es sich hier um multfunktionale Gebäude handelt, die auch Raum für Büros, Wohnen, etc. erhalten. Ganz klar ist dann aber, dass diese deutlich teurer werden
- Parkpaletten wären das Gegenteil: kleine, schnelle, “billigere” aber oftmals hässliche Lösungen, die vielleicht nur 1/5 zu haben sind. Aber wenn man diese nur temporär anlegt. Bei einer Mio € und fünf Jahren, wären das 200.000 € pro Jahr. Aber eben keine nachhaltige Lösung.
Die Frage ist ja aber auch, wie viel Geld wir in Zukunft für Autoinfrastruktur ausgeben wollen. Nach Jahrzehnten der Autozentrierung, wollen wir jetzt in Kiel zB weitere hunderte Millionen Euro in Strukturen investieren, die nur für das Auto nutzbar sind? Insbesondere wenn wir eigentlich in 20 Jahren weniger Autos haben wollen als heute?
Darum wäre das vernünftigste, wenn überhaupt ausschließlich multifunktionale Quartiersgaragen zu bauen, die einfach umgebaut werden können. D.h. aus den Parkplätzen könnten auch Büros oder Wohnungen werden. Und an sich sollten wir mehr investieren in vernachlässigte Infrastruktur für Zufußgehende und Radfahrende. Wir müssen die Straßen komplett umbauen, zunächst punktuell, langfristig aber auch stadtweit. Dazu können wir uns durchaus an der Vergangenheit orientieren, wo es weniger Verkehr gab und auch zu Zeiten von Kutschen nicht jede:r eine besaß und diese nicht die Straßenraum blockierten.
Vorbild könnten da auch Länder wie Japan sein, wo man normaler weise nicht an Straßenrändern parken darf, sondern einen Privatparkplatz für ein Parkhaus benötigt. Autobesitz sollte ein Luxus und Menschen in den Städten sollten nicht aufs Auto angewiesen sein.
Für das Land wird das ganze etwas komplizierter und braucht eigene Konzepte. Die Städte können aber nicht Infrastrukturen für diejenigen schaffen, die bewusst nicht in der Stadt leben wollen. Städte müssen sich zunächst um die eigenen Einwohner:innen kümmern. Auch gerade heute mit Hitze, Lärm, Feinstaub haben wir bleibende Themen, die viele Investitionen erfordern werden.
Fazit
Quartiersgaragen sind weder kurz- noch langfristig eine Lösung für unsere Parkplatzprobleme. Auch wenn wir mal rechnen: 10 große Quartiersgaragen würden bei 350 Parkplätzen zusammen 3.500 Autos aufnehmen können. Das wären gerade ein mal drei Prozent der 112.000 gemeldeten PKW (Quelle: Stadtamt der Landeshauptstadt Kiel 2024). Nicht mitgerechnet die ganzen Berufs- und Einkaufspendler.
Sie erscheinen also eher als Scheinlösung, oder als eine Option, die eher vereinzelt Sinn macht und weder schnell noch billig ist.
Am sinnvollsten wäre sicher ein konsequenter, langsamer und vorhersagbarer Abbau von Parkplätzen Es muss klar sein, dass die Situation nicht besser wird, damit Menschen ihr Auto in der Stadt aufgeben. Bisher hat sich Kiel immer bemüht, Alternativen zu schaffen, damit Menschen ihr Auto behalten können. Darum ist der PKW-Bestand in Kiel und anderen Städte weiterhin so hoch. Es erfordert mehr Mut hier einen konsequenten Weg zu gehen, gibt aber der Bevölkerung auch mehr Planungssicherheit.